Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
AUFFORSTUNG IM ÜBERMUT

Kritik an der Forstgesetz-Handhabung und Anträge zur Erleichterung der Waldbesitzer

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 3. Februar 1896 · Seite 1 · #Forstwesen
Punkt 1 dieser Anträge ' gibt dem Abg. Bauer Gelegenheit über die Art und Weise zu klagen, wie so manche Forsttechniker die Forstgesetze handhaben. Es komme vor, dass Wiesen vor den Aufforstungselfer derselben nicht sicher seien. Wenn man schon an die zukünftige Generation denkt, soll man der gegenwärtigen nicht die Existenzbedingungen erschweren. Im Außerfern werde es noch dazu kommen, dass das Holz vom Ausland wird bezogen werden müssen, wohin das Aerar sein Holz ansführt; dem Privatwaldbesitzer werde der Holzverkauf aus dem Walde erschwert. Er sei weit entfernt, die Wichtigkeit des Waldes für die wirtschaftlichen und klimatischen Verhältnisse zu unterschätzen, aber die gleiche Wichtigkeit habe die Weide, besonders mit Rücksicht auf die Cvncurrenz mit dem Anslande. Er stellt folgenden Zusatzantrag: Der Landesansschuss wird beauftragt, sich nachdrücklich bei der hohen Statthalteret zu verwenden, dass die Forstorgane angewiesen werden, den ökonomischen Bedürfnissen der Waldbesitzer mit größerem Entgegenkommen Rechnung zu tragen, insbesondere was die Auszeigung und Ausbringung der Waldproducte angeht. Abg. Dr. Pusch will die juridische Seite der in Rede stehenden Angelegenheit nicht berühren, obwohl er die Ueberzeugnng hegt, dass die Verordnung der Statthalterei vom 1. Mai 1885 nicht im Einklang mit der Waldordnung vom Jahre 1839 und dem Forstgesetz vom Jahre 1852 stehe. Er will nur darauf Hinweisen, dass in keinem anderen Kronlande solche Einschränkungen bestehen wie in Tirol. Redner will auch nicht verkennen, dass sie gute Resultate mit sich bringen, wenn sie ausgeführt würden, wie es vom praktischen Standpunkte gefordert werden könnte. Leider ist es nicht immer so geschehen, vielfach hat man auch hier alles über einen Kamm geschoren. Dr. Pusch schildert an den Verhältnissen in Leutasch, dass die Gleichmacherei oft zum Gegentheil dessen führt, was man bezweckt. Die Unzulänglichkeit des Forstpersonals bringt es mit sich, dass der Forsttechniker in Leutasch die Auszeigung der zu fällenden Bäume auf möglichst begrenzten Flächen vornehmen muss und eben dadurch die Kahlhiebe entstehen, welche die Stllthalterei verhindern will und die Bevölkerung in Leutasch aus eigenem Antriebe verntieden hat. Die Verhältnisse in Lentasch seien unleidliche geworden Im Jahre 1893 wurden 125 Parteien wegen Forstfrevel um 125 fl. bestraft, welche schließlich der Gemeindevorsteher, da alle Rekurse nichts nützten, aus eigenem bestritt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 3. Februar 1896, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6013-kritik-an-der-forstgesetz-handhabung-und-antraege-zur-erleichterung-1896).

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