Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAUERNSTAND ALS DAMM GEGEN REVOLUTION

Agrarreformvorschläge Abg. Schöpfers zur Beseitigung der Landwirtschaftsnothlage

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 12. Februar 1896 · Seite 1
Hieran schließt sich die Berathung über agrarrechtliche Reformen und agrarpflegliche Maßnahmen gegen die wachsende Nothlage der tirolischen Landwirtschaft. Der Abg. Schöpfer begründet die von ihm angemeldeten Minoritütsamräge, die keineswegs nur als ergänzende Anträge jener des Ausschusses zu betrachten seien. Sein im Ausschüsse eingebrachtes Programm geht von anderen Gesichtspunkten ans. Mit einzelnen Punkten der Vorschläge des volksw. Ausschusses ist er einverstanden, wenn er auch dafür hält, dass manches Alte fallen gelassen und manches anders Hütte formuliert werden sollen. Redner gibt seinen Standpunkt in dieser Frage und die Gesichtspunkte bekannt, nach denen der Entwurf seine Gruppierung erhalten hat. Darüber stimmen alle überein, den gegenwärtigen unhaltbaren Zustand zu beseitigen. Bei Feststellung der Mittel zur Beseitigung der Agrarnoth wurde von ihm von vornherein ein bestimmtes Ziel sestgestellt, dieses Ziel ist in der Resolution an die Regierung, um die weitere Hypothekar- Verschuldung zu verhindern und die Unverschuldbarkeit von Grund und Boden anzustreben, ausgedrückt. In diesem Ziele kommt auch ein fundamentaler Grundsatz, die naturrechtliche Stellung von Grund und Boden zum Ausdruck. Abg. Schöpfer bespricht den inneren Zusammenhang seinen Entwurfes. Weitere Aufgabe der Agrarreform ist es, die Verhältnisse jener Bevölkerungsclassen zu regeln, die mit Grund und Boden verwachsen sind, des Bauernstandes also. Man muss wieder zurückkommen zu dem, was die Natur gebietet, die den Menschen nicht als einzelnes Individuum, sondern als Theil eines großen Ganzen in die Welt gestellt hat. Das kommt in der Forderung zum Ausdruck, dass die Menschheit nach Berufen sich gliedere, dass Berufsgenossenschaften organisiert werden. Redner begründet auch, warum er die Ausübung des politischen Wahlrechtes in sein Programm hineingenommen habe. Die Ausübung des politischen Wahlrechtes müsse der Organisation der Gesellschaft angepasst sein, nur durch Ausübung des Wahlrechtes komme die Landwirtschaft in die Lage, das zu erreichen, was sie als Bedingung ihrer Existenz erkennt. Abg. Dr. Schöpfer bespricht die weiteren Forderungen seines Programmes.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Februar 1896, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6018-agrarreformvorschlaege-abg-schoepfers-zur-beseitigung-der-1896).

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