Der Bieycle - Club Innsbruck ersucht um die pachtweise Ueberlassung des Platzes zwischen dem Sieberer ' schen Waisenhause und den Viaductbögen zur Anlage einer Rennbahn. Diese würde mit einem Kostenaufwande von 14. 000 fl. von den Unternehmern der diesjährigen internationalen Ausstellung für Unterricht und Sport, von Fahrradfabrikanten und den Radfahrern in einer Länge von 400 Metern und einer Breite von 6 Metern hergestellt werden. Die Gesuchsteller weisen auf die großen Vortheile hin, welche Innsbruck daraus erwachsen würden, wenn jährlich fünf wohlfundierte Radfahrer - Rennen abgehalten würden. Es würden wenigstens 20o0 Fremde hiezu Herkommen. Die Ueberlassung des Platzes wird aus zehn Jahre angesucht Das Baucomitö stellt den Antrag, auf das Ansuchen nicht einzugehen, erstens weil laut Sieberer ' scher Stiftungsurkunde gegenüber dem Waisenhaus nur Villen gebaut werden dürfen, zweitens wurde erst kürzlich die Verbauungsweise des Saggens beschlossen und der Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt. Gegenüber den Viaductbögen sollen geschlossene Häuser erstehen. Durch die Errichtung einer Rennbahn würde der Beginn der Verbauung bis auf zehn Jahre Wert. Ein dritter Grund ist der, dass für drei Bauplätze in der Bienerstraße Kaufanbote vorliegen, unter der Bedingung, dass die Rennbahn nicht gebaut wird. Um dem Bicycle- Club doch entgegenzukommen, schlägt das Comitö die Errichtung der Bahn aus den weiter nördlich gelegenen Gründen vor, die allerdings nicht alle der Stadt gehören. Doch würde die Gemeinde mit den bäuerlichen Besitzern wegen Ueberlassung intervenieren. In letzter Stunde ist dem Referenten ( kais. Rath Pichler) eine Eingabe des Clubs übergeben worden, in welcher um die Benützung des Viehmarktplatzes hinter dem Frachtenbahnhof gebeten wird. Dem Berichterstatter ist nun nicht klar, ob von Seite des städt. Thierarztes oder der Factoren, die auf den Platz ein Anrecht haben, dagegen Einsprache erhoben werde. Diesbezüglich haben noch keine Erhebungen stattgefunden. Für den Club würde es entschieden vortheilhaster sein, wenn die Rennbahn näher dem Ausstellungsplatze liege. Die Verbauung des Saggens auch mit geschlossenen Häusern sei von großem Vortheil; wenn die jetzt vorhandenen Offerte abgelehnt werden, wird sich der Beginn weiter verzögern. Die Leute werden in Wilten ihre Zinshäuser bauen und wir werden das Nachsehen haben. GR. Landsee ist dafür, dem Bicycle - Club möglichst entgegenzukommen. GR. Dr. Koster bemerkt, dass nach von ihm eingezogenen Erkundigungen einer Benützung des Viehmarktplatzes kein Hindernis im Wege stehe.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Februar 1896, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6023-ansuchen-des-bicycle-club-um-rennbahn-zwischen-waisenhaus-und-1896).
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