Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KINDERN ENDLICH IHREN EIGENEN FLÜGEL

Berufung eines Privatdocenten zur Errichtung einer Kinderabtheilung im hiesigen Spital

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 28. Februar 1896 · Seite 4 · #Kinderspital
Der Privatdocent Dr. Looß wurde vom Unterrichtsminister an die Lehrkanzel für Kinderheilkunde an die hiesige Universität berufen. Sein Vorgänger hat bekanntlich Innsbruck sofort verlassen, als er eine eigene Kinderabtheilnng, die in unserem Spital noch nicht besteht, nicht vorfand. Dr. Looß hat sich nun der Aufgabe unterzogen, für die Errichtung einer Kinderabtheilung im Spitale zu wirken. Der Obmann der Finanz - Seetion, GR. Kapserer, hält die Errichtung einer eigenen Kinderabtheilnng als sehr wünschenswert. Bisher wurden die Kinder auf den Abtheilungen der Erwachsenen untergebracht. Zur Unterbringung der Kinderabtheilnng ist der nördliche Seitenflügel des Pavillons für die internen Krankheiten in Aussicht genommen. Auch ein entsprechender Theil des Gartens wird für die Kinder eingezäunt werden. Die Kosten für die nothwendigen Adaptierungen und Einrichtungen, welche die Stadt zu tragen hätte, belaufen sich auf 5500 fl. u. zw. 360 fl. für Instrumente, 1050 fl. für Adaptierung, Einführung der Gasbeleuchtung re., Tischlerarbeiten 750 fl., andere Einrichtungen 130 fl., für 26 Betten 1940 fl., die Betten selbst mit den Nachtkästchen 1300 fl. Die Abtheilung, welche ausschließlich Unterrichtszwecken dient, wird der Gemeinde jährlich 1000 bis 1500 fl. kosten. Das Finanz - Comitö ist trotzdem für die Bewilligung der Summen, allerdings unter der Bedingung, dass der Staat für die der Gemeinde erwachsenden Mehrauslagen einen jährlichen Beitrag von 500 fl. leiste. Altbürgermeister Dr. Falk ist mit dem Anträge des Finanzcomitös einverstanden, glaubt jedoch, das man nicht das Resultat der Verhandlungen abwarten, sondern gleich mit der Einrichtung der Kinderabtheilung beginnen soll. Eine Kinder - Klinik sei eine absolute Nothwendigkeit; unsere jungen Aerzte müssen von hier Weggehen, weil die Kinderklinik fehlt, die so nothwendig ist, wie jede andere. Wenn man das Ende der Verhandlungen mit dem Unterrichtsministerium abwarte, werde die Errichtung zu lange hinausgeschoben. Der Staat werde sicher einen Beitrag leisten. Es sei noch zu bedenken, dass der Docent auch Weggehen könnte, wenn die Errichtung der Klinik sich zu lange hinausschiebe. Es sei ein Platz für ein Kinder- Epidemie - Spital beschafft worden, ein Theil der Summe zum Baue ist vorhanden, eine weitere sei vom Spender in
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Februar 1896, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6024-berufung-eines-privatdocenten-zur-errichtung-einer-kinderabtheilung-1896).

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