Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHÄDEL UND HEIZROHRE AUS DER ERDE

Auffindung römischer Funde und eines Schädels in Martinsbühel

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 11. August 1896 · Seite 2 · #Burgen und Schlösser
(Interessante Funde in Martinsbühel.) Aus Zirl 9. ds. wird uns geschrieben: Die am Fuße der Martinswand malerisch gelegene Erziehungsanstalt Martinsbühel, welche seit Juni 1888 besteht und deren Zöglinge unter Oberleitung des Hochw. Herrn P. Prior Edmund Hager zu ebenso tüchtigen Arbeitern als glaubenstreuen Katholiken herangebildet werden, ist auch von großer historischer Bedeutung. Das thurmartige Hauptgebäude, in dessen Erdgeschoss sich gegenwärtig das Refectorium befindet, war einst zeitweilig Jagdschloss Kaiser Maximilians I. Noch tausend Jahre früher erhob sich hier ein römischer Ban, von welchem noch die unterirdischen Reste der Ringmauer nebst unzählbaren dunkelrothen Ziegelfragmenten mit Spuren der Drehmaschine und Gefäßscherben aus terra sigillata etc. Kunde geben. Besonders zahlreich find auch spätrömische Kaisermünzen. Zur Zeit der Völkerwanderung mochte es wiederholt zu blutigen Zusammenstößen mit den eindringenden Barbaren gekommen sein. Aus dieser Zeit mögen die zahllosen Menschengebeine stammen, welche im Kosraum das Erdreich füllten. Jetzt wieder, als am Samstag den 8. August im Hofraume behufs Ebnung des Terrains der Boden umggegraben wurde, kam hiebei der vordere Theil eines Schädels zum Vorschein. Der Leiter der dortigen Druckerei, Herr Robert Gemböck, welcher die Ausgabe hat, die historischen Fundgegenstände von Martinsbühel an das Innsbrucker Museum zu befördern, hat heute Vormittag Herrn Professor Dr. Ritter v. Mieser das Fundstück zur Begutachtung übergeben, welches demnächst der Sammlung des Mufimms einverleibt wird. Im Frühlinge wurden von Bruder Raimund bei Anlegung eines Gartens römische Luftheizungs - Röhren ausgegraben, fünf Stück an Zahl, welche gleichfalls der Sammlung ( des Innsbrucker Museums einverleibt sind.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 11. August 1896, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6070-auffindung-roemischer-funde-und-eines-schaedels-in-martinsbuehel-1896).

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