Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DUELLO MIT TÖDLICHEM EFFEKT

Historische Ehrenkämpfe in England und Frankreich

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 4. November 1896 · Seite 4 · #Duellwesen
keinen Streit mit ihm zu haben! " Als sein Gegner an die Reihe kam, rief Fitzgerald, Fox ' s Secundant, ihm zu: „ Fox, Sie müssen eine Seitenstellung annehmen! " „ Wozu? " fragte kaltblütig der unerschrockene Redner. „ Ich bin von der Seile ebenso dick, wie von vorn! " Sprachs und — ward getroffen. Es war dazumal chic und zum guten Ton gehörig, gegenseitig sich ein bischen „ anzuschießen ", wenn einer eine politische Richtung hatte oder Meinungen äußerte, die dem andern nicht gefiel. Besonders rief der irische Agitator Daniel O ' Connell durch die Gewalt seines Mundes so manchen blutigen Conflict hervor. Als er einst mit gewohnter Offenherzigkeit eine öffentliche Kö p ' rschaft „ Die bettelhafteste Corporation von Dublin " titulierte, fühlte ein Mitglied derselben, der Aldernmnu d ' Esterre, sich getroffen und forderte ihn. Mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit stellte Lord Ponsonby den Park seiner Besitzung Bishops Court, wie für eine Wohlthütigkeitsvorstellung zur Verfügung, und nachdem Ö ' Connell seinen Gegner dort so schwer verwundet hatte, dass derselbe nach ein paar Tagen starb, schwur er: „ Sich niemals mehr zu schlagen! " Die Verpflichtung für O ' Connells künftige Duelle, die derselbe, da er nun einmal kein Blatt vor den Mund nahm, fort und fort durch seine derbe Suava sich auf den Hals lud, übernahm einer seiner Söhne und hatte viel damit zu thun! So schlug er beispielsweise „ in Stellvertretung " eines Tages sich mit Lord Alvcmly und hatte am nächsten ■ schon wieder eine neue Herausforderung in der Tasche, von dem späteren englischen Premierminister Disraeli. Erhielt doch bis in die erste Hälfte unseres Jahrhunderts hinein sich einstweilen immer noch etwas von der alten „ Schlagferligkeit ", als nothwendiges Uebel und selbstverständliche Genugthuung zwischen „ Gentlemen ". Deshalb forderte auch 1829, nur wegen politischer Meinungsverschiedenheiten, der Herzog von Wellington den Grafen Wtnchelsea Noch 1 * 40, als der gewaltthütige Drauflosstürmer Lord Cardigan den Rittmeister Tuckett auf dem Anger von Wimbledon erschoss, und dann, als Peer von England vor das Oberhaus gestellt wurde, gab einer der edlen Lords nach dem andern das freisprechende Verdicr ab: „ Auf meine Ehre — nicht schuldig! " Ein einziger nur, der Herzog von Cleveland, fügte diesem seinem Votum den vielsagenden Zusatz bei: „vor dem Gesetz! " Der betreffende Anger von Wimbledon ist übrigens selbst zu einer gewissen distorischen Berühmtheit gelangt, weil er ehedem die privilegierte Localität für „ aristokratische" Ehrenhändel bildete, bis dies Monopol durch das! plebejische Duell eines Gastwirtssohnes und Leinwandhändlers gebrochen ward. Mittwoch den 4. Novembre 1896.! Im Gegensatz zu dem jetzt so duellarm ge- ‘ wordenen England, hat Frankreich ein Ueberj bleibsel mit dem alten Renvmme als Eldorado des „ Piff — paff — puff " behalten; dort sitzt noch am losesten die Zunge und die Hand, gilt ' s die Handschuh hinzuwerfen! — So schlug einst Alexander Dumas Pcre sich mit Gaillardot um die höchst zweifelhafte Ehre: Wem von den zwei Beiden die Urheberschaft des Schand - Drama ' s: „der Thurm von Nesles " gebüre? — und Thiers, der glänzende Geschichtsschreiber und erste Präsident der Uepubliqne Francais8, „ wäre nie so groß geworden, würde er nicht so klein gewesen sein ", das heißt, hätten nicht bei einem Jugend- Duell seine kleine Statur und sein großer — Cylinder das Leben ihm gerettet, indem die Kugel seines blutdürstigen Gegners ihm zwei Mal in den Hut statt in den Kopf fuhr! Zum Glück aber sind doch die Zeiten längst ein überwundener Standpunkt, wo in Frankreich wie in anderen Reichen der Duell - Modus gestattete, dass auch die Secundanten mitfochten, falls solche Partie quarrt nicht unmöglich war durch compliciertere Bedingungen, wie z. B. die jener beiden französischen Edelleute, welche aus die geniale Idee kamen, sich in eine Mietskutsche zu setzen — die linken Hände zusammengebunden, während die rechten ad libitum umhersuchteln durften, solange der Wagen zwei Mal um den Platz fuhr. Dieser gewiss ungewöhnliche Weg, um verletzte Ehre zu reparieren, sindet sein Pendant in dem Original - Duell zweier Engländer, die in ein Oxhoft krochen, um dort
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. November 1896, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6095-historische-ehrenkaempfe-in-england-und-frankreich-1896).

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