Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KAMPF UM DAS STADTLICHT

Kampf ums Licht: Gas und Elektrizität als Concurrenten im Beleuchtungswesen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 30. Dezember 1896 · Seite 4 · #Elektrisches Licht
Ium Kampfe um das Licht. Bon Dr. phil. Schräder. (Nachdruck verboten.) Das letzte Decennium des Jahrhunderts der Erfindungen hat aus allen Gebieten so großartige Erfolge zu verzeichnen, dass sich überall zuvor nie geahnte Umwälzungen vollzogen haben. Besonders ist in den letzten Jahren auf dem Gebiete des Beleuchtungswesens eine sehr große Zahl, von Neuerungen eingeführt, dass das Interesse; der gesummten Bevölkerung auf diesen Gegenstand j gelenkt worden ist. Es ist infolge dieser Neue - \ rungen ein förmlicher Kampf entbrannt zwischen; den in Betracht kommenden Factoren, ein Wett -! streit, der ein lebhaftes Emporblühen der Con i currenten zur Folge gehabt hat. Es wird den Leser daher interessieren, ein Bild von diesem j Kampf ums Licht zu bekommen; freilich wird es j uöthrg sein, zum besseren Verständnis der Neue j rungen auch mit einigen Worten auf die Entwicklung des Beleuchiungswesens überhaupt einzu - ■ gehen., Es kommen hierbei speciell zwei Factoren m Betracht, die als lebhafte Concurrenten einander gegenüberstehen — das Gas und die Elekricität. Wenden wir nns zunächst dem Gas zu Das Verdienst, das Princip der L uchtmsbereitung durch trockene Destillation von Brennstoffen — Kohlen re. — für die Praxis zuerst verwertbar gemacht zu haben, gebürt dem englischen Ingenieur William Murdoch, der gerade in den letzten Jahren gelegentlich der Centenarfeier der Gasindustrie — Murdoch beleuchtete bereits 1792 sein Wohnhaus mit Gas — oft und mit gebärender Anerkennung genannt worden ist. Noch heute stellen wir hier in Europa fast alles Leuchtgas durch Destillation von Steinkohlen dar. Das so erhaltene Gas — ein Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe, d. b. Verbindungen der Elemente Kohlenstoff und Wasserstoff — zeigt vermöge seiner chemischen Zusammensetzung, wenn es entzündet wird, eine leuchtende Flamme, weil in ihr ein fester Körper — der Kohlenstoff — zum Glühen gebracht wird. Seine Leuchtkraft verdankt das Steinkohlengas wesentlich dem Gehalt an zwei Kohlenwasserstoffen — dem Aethylen und dem Acetylen, einem in letzter Zeit viel genannten Körper, der uns nachher noch näher beschäftigen wird. An sich nicht leuchtend hingegen ist die Flamme des in Amerika meistens gebrauchten Leuchtgases, des sogevannten Wassergases, das man durch Ueberleiten von Wasserdämpsen über stark glühende Kohlen erhält. Dasselbe ist ein Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenoxyd, jenem überaus giftigen Körper, der bei der unvollkommenen Verbrennung von Kohlen entsteht und seine Gegenwart durch einen bläulichen Flammensaum verkündet, der dem Leser bekannt sein wird. Di ses Wassergas leuchtet an sich nicht, kann jedoch wie alle nicht leuchtenden Flammen leuchtend gemacht werden, indem man Dämpfe flüssiger Kohlenwasserstoffe, zum
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 30. Dezember 1896, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6113-kampf-ums-licht-gas-und-elektrizitaet-als-concurrenten-im-1896).

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