Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VON GOD SAVE ZU GOTTS SEGEN

Jubiläum des österreichischen Kaiserliedes — hundert Jahre nach der ersten öffentlichen Aufführung am 12. Februar 1797

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 12. Februar 1897 · Seite 2
Zum Jnbiläumstage. Die schönste aller Volkshymnen, die sich zugleich, wie keine andere der Welt, rühmen darf, von einem der Ersten im Reiche der Töne geschaffen zu sein, unser Kaiserlied, feiert in diesen Tagen das Jubiläum des hundertjährigen Bestandes. Am 12. Februar 1797 — also heute vor hundert Jahren — wurde sie zum ersten Mal öffentlich gesungen und klang die erhebende Weise dem Kaiser Franz in hundertstimmiger Begeisterung zum ersten Mal entgegen. Während seines Aufenthaltes in England ( 1790 bis 1792 und 1794 bis 1796) hatte Haydn den Nationalgesang der Briten, das „0oä sav © the king " kennen gelernt. Er bedauerte, dass sein Vaterland nicht auch ein Lied besitze, wodurch das Volk bei festlichen Gelegenheiten seine Verehrung, Liebe und Anhänglichkeit an dem Herrscher in begeisterten und begeisternden Klängen zum Ausdruck zu bringen vermag. Bei der Rückkehr theilte er das seinem Gönner, dem Freiherrn v. Swieten, welcher an der Spitze des von einem hohen Adel unterhaltenen Öoneert sxirituel stand, mit und sprach hiebei den Wunsch aus, Oesterreich möchte doch auch einen ähnlichen Gesang besitzen, der zugleich in diesen Tagen der Bedrängnis, tue Oesterreicher zu einem noch höheren Grade der Anhänglichkeit für Fürst und Vaterland entflammte und die Scharen der freiwilligen Kämpfer vermehre. Swieten besprach die Sache mit dem Regierungspräsidenten von Niederösterreich, dem Grafen Franz Saurau. Dieser forderte unverzüglich den Professor der Aefthetik an der theresianischen Ritterakademie und Custos der Wiener Universitäts - Bibliothek Leopold Haschka ( geboren 1749 in Wien, gestorben 1827 daselbst) auf, den Text zu einem Volkshynmus zu verfassen. Haydn wurde ersucht, denselben in Musik zu setzen. Im Jänner 1897 waren beide mit der Aufgabe fertig geworden. Am 28. Jänner 1797 erhielten Text u. Composition vom jGrafen Saurau eigenhändig das Imprimatur — die österreichische Volkshymue war vorhanden. Am Geburtstage des Kaisers, 12. Februar, sollte sie zum ersten Mal gesungen werden. Sie wurde gedruckt und, ohne dass der Kaiser davon etwas erfuhr, in Wien verbreitet, sowie in tausenden vonjExemplaren in alle Provinzen des Reiches verschickt. Der erste Wiener Druck besteht aus zwei Blättern in Kleinquartformat. Auf dem Titel steht oben „ Gott erhalte Franz den Kaiser. " Etwa in der Mitte links: „ Verfasst von Leopold Haschka " und rechts „ In Musik gesetzt von Josef Haydn ". Unten in der Mitte: „ Zum 1. Mal abgesungen den 12. Febr. 1797. " Auf der 2. Seite ist die Melodie sammt ihrer Begleitung mit unterlegter erster Strophe enthalten, und das zweite Blatt bringt die ganze Dichtung. Am 12. Februar wurde, wie schon erwähnt, das Lied zum ersten Mal in allen Theatern angestimmt. Der Kaiser war, als er in der Loge des Burgtheaters erschien und diese
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 12. Februar 1897, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6126-jubilaeum-des-oesterreichischen-kaiserliedes-hundert-jahre-nach-der-1897).

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