Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MAUT FÜR STEINFUHRWERKE UND FÜRSTENWEGE

Erbauung einer neuen eisernen Bogenbrücke an der Sill an Stelle der alten hölzernen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. Mai 1897 · Seite 3 · #Sillbrücke
Am Fuße des Berges Jsel, wo die Sill die tiefeingeschnittene Bergschlucht verlässt und in das breite Innthal einrritt, übersetzt der ärarische Fürstenweg mittelst einer alten hölzernen Brücke, die sogenannte große Sillbrücke, den Sillfluss. Nach den alten Urkunden aus den Jahren 1555 und 1559 und nach dem landesfürstlichen Mandate oblag die Einhaltung dieser Brücke, welche nur für leichtes Fuhrwerk bestimmt war, einer Concurrenz, in welche nächst dem Aerar, dem Kloster Witten und der Stadt Innsbruck auch die Gemeinden der ehemaligen Landgerichte Sonnenbura, Axams und Stubai einbezogen waren. In den vierziger Jahren, als die Bauthätigkeit in Innsbruck eine immer größere wurde und aus diesem Grunde in der Gemeinde Amras mehrere Steinbrüche eröffnet und betrieben wurden, musste die Brücke auch für die relativ schwereren Steinfuhrwerke eingerichtet werden. Dies gab im Jahre 1845 Anlass zur Einführung einer beschränkten Mauth, welche auf die passierenden Steinfuhrwerke gelegt und bis vor kurzer Zeit eingehoben wurde Als im Jahre 1892 neuerliche Concurrenzverhandlungen über die Reconstruction der baufällig gewordenen Brücke gepflogen wurden, trat seitens der Gemeinden das Bestreben hervor, ihrer Concurrenzpflicht für die Zukunft entbunden zu werden. Die Staatsverwaltung kam diesem Wunsche bereitwilligst entgegen, da bei den vollständig geänderten Verkehrsverhältnisien diese Beilragspflicht für die Gemeinden wie Hötting, Götzens, Rätters, Mutters, Völs, Kematen, Birgitz, Grinzens, Sellrain, Gries, Kreith, Mieders, Neustift, Schönberg. Telfes und Fulpmes tatsächlich eine unbillige und ungerechtfertigte Steuer darstellte. Nach den damals getroffenen Vereinbarungen übernahm die Staatsverwaltung gegen eine Abfindungssumme von 4867 fl. den Bau einer neuen, auf 39270 fl. veranschlagten Eisenbrücke sowie deren künftige Einhaltung. Dass bei dem Neubaue die alte Wegtra ^ e verlassen und die Sill an einer anderen günstigeren Stelle übersetzt werden musste, war von vornherein klar; doch war dabei auf die bestehenden Wohngebäude und aus die Einmündung mehrerer Wege in den ärarischen Fürstenweg nächst der Baustelle entsprechend Rücksicht zu nehmen. Für die Wahl der Construction war das Durchflussprofil und die Rücksichtnahme auf die landschaftliche Seenerie maßgebend; aus diesen Gründen nahm man von dem gewöhnlichen, wenn auch ökonomischeren System Umgang und entschied sich für eine eiserne Bogenbrücke. Mil der Herstellung des Unterbauewurde Ende Februar v. I. begonnen und konnte die mächtige Fundierung der beiden Brückenwiderlager noch vor Eintritt der höheren Wasserstände anfangs Mai v. I. beendet werden. Die weitere Herstellung der Mauerwerkskörper und die Correction der anschließenden Theile des Fürstenweges wurde im Laufe des vorigen Sommers durchgeführt und beendet. Die Leistung während dieser Arbeitszeit umfasst: 1980 m 3
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Mai 1897, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6164-erbauung-einer-neuen-eisernen-bogenbruecke-an-der-sill-an-stelle-1897).

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