Knochen fand, mit der Gier eines Wolfes über ihn her. Dann ward sie wieder rubig „ Das sah aus wie ein Saranfall und Abessynien ist Sars Heimat ". Mit Recht vergleicht er ' en Sartanz mit dem Taranieltanz. Die Taraniel ist bekanntlich eine Spinne etwa von der Größe einer Eichel, die b sonders häufig in der Gegend von Tarent vorkommt. Während sie sonst völlig zahm werden kann, wird sie in: Sommer, in der Paarungszeit, ganz wild und beißt jeden, der in ihre Nähe kommt oder im Freien schläft. Tie apulischen Erntearbeiier tragen daher zum Schutze gegen sie kurze Stiefeln. Der Biss selbst schmerzt kaum mehr als ein Wespenstich. Nach den ersten Schmerzen empfindet man an der verwundeten Stelle nichts mehr. Dagegen wird der Gebissene von einer unbeschreiblichen Angst und von Trübsinn erfasst. Er seufzt beständig, antwortet auf Fragen nicht, schlügt sich auch wchl verzweifelt an dir Brust. Manche gerathen in kalten Schweiß, wälzen sich auf der Erde herum und bitten, lass nian sie schlägt. Alle zieht es in ihrer tiefen Niedergeschlagenheit zu einsammen Stätten oder auf Kirchhöfe. Das ein ige Mittel gegen die Krankheit, an die das Volk glaubt, ist der rasende Tanz, der Tarantella genannt wird. Zu dem, der gebissen wurde, holt man Musikanten, die die Sache verstehen und auf ihren Instrumenten verschiedene Melodie » anftimmen. Nicht jede Melodie und nicht jedes Instrument bewegt dm Kranken zum Tanze. Aber kommt das rechte Instrument und die rechte Weise, so beginnt der oft Halbtodte zu stuften, bewegt sich und beginnt Plötzlich unter den wunderlichsten Gcberden zu tanzen. Zwei und drei Stunden t nzt er so im schnellen Tempo und im Takte Nlit der Musik. In Schweiß gebadet hält er eine Augenblick inne, uni sich zu trocknen. Sofort aber beginnt er wieder und tanzt 14 —12 Stunden am Tage. Dabei scheint ihn die Anstrengung eher zu stärken, als zu ermatten. Mit dem Sonnenaufgang ergreift ihn die Tanzraserei von neuem und so geht es oft drei und vier Tage hintereinander, bis er wieder vernünftig und frisch geworden ist. Aber im nächsten Jahre genau zu der Zeii, da er gebissen worden war, wird er gewöhnlich wieder von der Krankheit ergriffen und mu; s sich wieder gesu d tanzen. Das kann sich mehrere Jahre hintereinander so wiederholen. Mit der Melodie, die zum Taranleltanz gespielt wird, soll nach dem italienischen Volksglauben die Spinne selbst aus ihrem Schlupfwinkel hervorgeholt werden können; sie muss dann selbst springen und tanzen, bis sie ermattet hinsällt, ergriffen und getödtet werden kann. Aus der einst nur in Tarent gefpielten Tarantelmelodie ist bekanntlich ein neapolitanischer Tanz entstanden, der sich sehr schnell im Dreiachtel Takt bewegt und eine Reihe berühmter Compositionen veranlasst hat. Wahrscheütlich steht dieser italienische Volksaberglanbe in direktem Zusammenhang mit den Tanzkrankheiten des Mittelalters, die als verheerende Seuchen und ansteckender Wahnsinn durch die Lande giengen. Die Italiener hatten denn auch für diese Krankheit die Bezeichnung „ Tarantismo ", die übrigens bei ihnen auch den Namen für den sog Veitstanz bildet. Die Tanzraftrei des Mittelalters gehört zu den seltsamsten Erscheinungen dieser Epoche und ist eine der interessantesten imter den vielen Volkskrankheiten, die in jenen Tagen durch die Länder Europas gingen. Die Krankheit trat mit einigen Pansen von 1237 bis 1374 auf. Ungewiss ist, woher sie kam; es wird von asiatischen Einwirklingen und von Ansteckung aus Russland gesprochen; andere nehmen an, dass die Seuche in Deutschland entstand. Tie Tanztollen thaten sich in großen Hansen zusammen, die mit einem Spielmanne an der. Spitze von Stadt zu Stadt zogen. Der Spielmann durfte nur bestimmte We sen auf seiner Fiedel streichen; und keine Macht konnte den Zug daran verhindern, in die Städte einzndringen. Denn verwehrte man den Kranken auch den Einzug in die Stadt, so lag doch die Anst. ckung in bet Lust; und selbst wenn man vor dem unbehaglichen Zuge die Thorc der Stadt abichloss und er draußen seine wilden Tänze vollsühren musste — nach einer kurzen Weile strömten aus den Gassen und Straßen der verschlossenen Stadt hysterische Frauen auf dem Mcrktplate zusammen und begannen sich in densell en
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. Jänner 1898, S. 9, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6262-volksglaube-und-tarantellentanz-als-heilung-gegen-die-bisse-der-1898).
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