Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SPRACHEN UND MEHR IM LANDTAG

Debatte über Sprachenverordnungen im Tiroler Landtag – Resolution Grabmayr und Zallinger einigungsreich verabschiedet

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 15. Jänner 1898 · Seite 1 · #Landtagssitzungen
Jesu - Fest. Tiroler Landtag. III. Sitzung am 14. Jänner. Die Gallerie des Saales ist mit Zuschauern überfüllt, die Zeugen der politisch hochbedeutsamen Verhandlungen sein wollen, welche die heutige Sitzung infolge des Antrages Grabmayr betreffend die Sprachenverordnungen verspricht Im Einlaufe befindet sich u. a. ein Gesuch des Vereines Südmark um Unterstützung, ferner Gesuche des katholischen Landeslehnrvereins und des Unterinnthaler Lehrervereins um Aufbesserung der materiellen Lage der Lehrer. Die Marktgemeinde Schwaz ruft die Intervention des Landtages an, um die Garnison zu erhalten ( bekanntlich soll das Schwazer Landesschützen - Bataillon aufgelöst werden) und um Einreihung von Schwaz in eine höhere Zinsclasse, des weiteren bezüglich eines Hausierverbotes. Aus Jtalienisch - Tirol liegt ein vom Abg. Grafen Terlaao überreichter Protest gegen die Gesetzvorlage betreffend den Vogelschutz in Tirol vor. Der Abg. Schöpfer bringt einen von Abgeordneten beider Parteien Unterzeichneten Antrag ein, wonach der volkswirtschaftliche Ausschuss beauftragt wird, die Gründung einer Landes - Lebens und Rentenversicherung in Erwägung zu ziehen und eventuell im Hause geeignete Anträge zu stellen. Der Resolutionsantrag des Abg. Dr. v. Grabmayr betreffend dieSprachenverordnungen wurde von uns bereits mitgetheilt. Nach der Begründung desselben durch den Antragsteller, sprach Abg. v. Z a l l i n g e r. der folgende Resolution einbrachte: „Der hohe Landtag wolle beschließen: Indem der Landtag der gefürsteten Grafschaft Tirol die unerhörten Vorgüne im Abgeordnetenhause, wodurch dessen Thütigkeit unmöglich gemacht und das Volkswohl in hohem Maße geschädigt wurde, mit aller Entschiedenheit verurtheilt, begrüßt er freudigst die erfolgte Einleitung einer Verständigungsaction im Landtage des Königreiches Böhmen und in der Markgrafschaft Mähren und spricht die Erwartung aus, dass es der k. k. Regierung gelingen werde, entsprechend den Forderungen der Gerechtigkeit und den thalsächlichen Bedürfnissen, sowie unter Wahrung des berechtigten Besitzstandes der Deutschen eine Verständigung zwischen den beiden Volksstämmen in Böhmen und Mähren zum Zwecke der gesetzlichen Regelung der Sprachenverhältmsse herbeizuführen. " Abg. Dr. v. Grabmavr sprach sich gegen diese Resolution aus, worauf Zallinger eine viertelstündige Unterbrechung der Sitzung beantragte, um eine Verständigung zwischen beiden Parteien zu ermöglichen. Diese kam dann auch nach dreiviertelstündiger Verhandlung mit folgendem Ergebnisse zustande: Der einleitende, die Obstruction im Abgeordnetenhause verurtheilende Theil der Resolution Zallingers wurde mit den Stimmen der Rechten gegen jene der Linken angenommen, der zweite Theil der Resolution wurde mit folgendem Zusatz einstimmig angenommen: „und betont die Nothwendigkeit, den berechtigten Beschwerden der Deutschen gegen die Sprachen erlässt vom 5. und 22. April 1897 abzuhelfen. " > Unter allgemeiner Spannung des Hauses begann Abgeordneter Dr. v. Grabmayr die Begründung des von ihm und seinen Parteigenossen eingebrachten Antrages betreffend die S p r a ch e nverordnungen: Mit inniger Befriedigung sehe er sich heute in der ruhigen Atmosphäre dieses Hauses, nachdem er Monate hindurch in der schwülen Stickluft eines anderen Hauses geweilt, in dem er verheerende Stürme erlebt, die unsere constitutionellen Einrichtungen zu zerstören drohten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. Jänner 1898, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6261-debatte-ueber-sprachenverordnungen-im-tiroler-landtag-resolution-1898).

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