Das Innsbrucker Postgebäude. Die Handels und Gewerbekammer von Innsbruck hat, wie unseren Leser aus den Berichten über die öffentlichen Kammersitzungen mehr als zur Genüge bekannt ist, schon ungezählte Male über die absolute Unzulänglichkeit des hiesigen Postgebäudes an das Handelsministerium Bericht erstattet und um Abhilfe der geradezu schreienden Uebelstände gebeten, aber trotz aller Petitionen bis zur Stunde nicht mehr erreicht, als dass das genannte Ministerium hin und wieder einmal erklärt hat, dass es Erhebungen pflege und demnächst das Nöthige veranlassen werde. Auf die im Vorjahre mit besonderer Eindringlichkeit gestellte Petition kann im Frühjahre der Bescheid herab, dass das Handelsministerium, um in der bei egten Localitätenfrage eine Lösung herbeizuführen, neuerdings die Errichtung eines Postgebäudes in Innsbruck im Auge gefasst und wegen Einleitung der erforderlichen Vorerhebungen an die Post und Telegraphen - Direction in Innsbruck Weisungen habe ergehen lassen. Die bisher gemachten Erfahrungen erließen aber nicht viel erhoffen, weshalb eine große Anzahl hiesiger Geschäftsleute im Monat Juli d. Js. beim Handelsminister um dringende Abhilfe der ganz und gar unhaltbar gewordenen Uebelstände bittlrch wurde. Um diese gründlich zu beleuchten, gaben die Petenten eine kurze Geschichte des hiesigen Postgebäudes, welcher zu entnehmen ist, dass die Post seit Menschengedenken im gräflich Taxis ' schen Palais untergebracht ist und zu keiner Zeit einen Ueberfluss an Platz aufwies. Als Mitte der siebziger Jahre auch noch das Telegraphenamt dort installiert wurde, nahm die Misere ihren Anfang, die mit der steten Steigerung des Geschäftslebens auf dem hiesigen Platze und des Handelsverkehres, welcher eine zumindest doppelte Anzahl von Beamten nöthig machte, sich nun bis zur Unerträglichkeit gesteigert hat. Was man Heuer zur Zeit des stärksten Fremdenverkehres im Amte selbst über die hiesige Post zu hören bekam, spottet jeder Beschreibung und ist durchaus nicht geeignet, das Ansehen dieser Staatsanstalt, deren Einnahmen stetig wachsen, zu wahren. Wenn nun auch diese Petition bisher ohne Antwort blieb und der, an den sie gerichtet, einem neuen Mann, Baron Dipauli, Platz gemacht hat, so können wir uns der Hoffnung nicht verschließen, dass vielleicht gerade durch diesen Personenwechsel, der Tirol einen Landsmann - Minister gebracht hat, die Angelegenheit uun rascher von der Stelle rücken wird, zumal einige Interessenten mit dankenswerten Eifer die Sache insoferne vorbereitend und fördernd in die Hand genommen haben, als sie einen mit großer Sachkenntnis durchgeführten Plan entwarfen, nach welchem diese unleidliche Frage sowohl für das Postärar als auch die Interessenten am glücklichsten gelöst werden könnte. Aus dem uns zur Verfügung gestellten und und durch die nächsten Tage hindurch in der Wagner ' schen Universitäts - Buchhandlung ausgestellten Plan kann ersehen werden, wo der Neubau gedacht ist. Das alte gräflich Taxis ' sche Palais soll mit Rücksicht auf den historischen Wert des Baues erhalten bleiben und wird vielleicht für andere Zwecke verwendet werden. Die Zubmtten aber sollen fallen und an ihrer Stellq
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 15. Oktober 1898, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6346-dringender-neubau-des-innsbrucker-postgebaeudes-aufgrund-1898).
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