Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HANDGEFERTIGTE POST AUS DEM BERG

Neuere Ansichtskarten aus Tirol in kunstvoller Ausführung

Eine Kartenserie in anderer Art danken wir dem sowohl als Künstler wie als Hochgebirgstouristen und als alpinen Schriftsteller gleich tüchtigen Maler Emil Terschak in Gröden, der nach durchwegs von ihm selbst besorgten photographischen Aufnahmen eine größere Anzahl duftig ausgeführter Ansichtskarten Herstellen ließ, welche die schönsten Partien der Dolomiten in der Gröden - Bozener Gegend sowie auch aus anderen Gebieten Südtirols mit plastischer Schärfe und dabei in zartester Ausführung dem Alpenfreunde vor Augen führen. In Innsbruck sind in A. Edlingers Verlag schöne Ansichtskarten aus Nordürol erschienen, welche nach sehr guten Zeichnungen des verstorbenen Tiroler Malers Wilh. Humer angefertigt wurden und sonach wohl an und für sich schon keiner weiteren Empfehlung bedürfen, was übrigens auch schon der starke Absatz zur Genüge bekundet. Ferner hat die Firma C. Lampe in Imst und Innsbruck eine Serie von farbigen Ansichtspostkarten gleichfalls aus der näheren und weiteren Umgebung der Landeshauptstadt in Vorbereitung. Auch diese Karten, welche in Aquarellmanier hergestellt werden, versprechen sehr schön zu werden; außerdem hat Herr Lampe die Leistungsfähigkeit seiner lithographischen Anstalt auch in der Herstellung von Ansichtspostkarten speciell für Gasthofbesitzer, Badinhaber rc. bereits mehrfach dargethan, woraus hervorgeht, dass derartige Arbeiten auch im Jnlande zur Zufriedenheit der Besteller ausgesührt werden können. Ganz eigenartige Ansichtspostkarten wurden von Seite der Kunstanstalt C. A. Czichna und vom Landschaftsphotographen Fritz Gratl zur Ausgabe gebracht. Bei ersteren handelt es sich um wirkliche Aquarellbilder, welche die hervorragendsten Sehenswürdigkeiten von Innsbruck, wie die Triumphpforte, schloss Weiherburg, das goldene Dachl rc. zur Darstellung bringen und bei denen man sich nur wundern muss, wie es möglich ist, solche, wenn auch lediglich als Skizzen ausgeführte Handmalereien zum Preise einer Ansichtspostkarte herzustellen und zum Verkauf zu bringen. Da bei der Anfertigungsweise dieser Karten eine eigentliche Massenfabrikation naturgemäß ausgeschlossen erscheint, so dürften dieselben für Sammelzwecke sich wohl umso größerer Beliebtheit zu erfreuen haben. Herr Gratl dagegen hat Originalwerke anderer Art zur Anfertigung von Ansichtskarten verwendet, indem er eine ganze Reihe feiner schönsten Naturaufnahmen zur Ausführung von Karten mit Photographien ( nicht Lichtdruckbildern oder dergleichen) benützte; darunter verdienen nebst den übrigen Ansichten aus der Landeshauptstadt auch die reizend ausgeführten und sonst eben nicht erhältlichen Winterbilder: Innsbruck im Schnee, sowie in gleich r Weise Schloss Ambras, Tummelplatz rc. besondere Beachtung.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. Mai 1898, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6301-neuere-ansichtskarten-aus-tirol-in-kunstvoller-ausfuehrung-1898).

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