Das walte Gott! Dev Thronwechsel ' im Jahre 1848. Die Märzstürme des Jahres 1848 hatten Kaiser Ferdinand tief erschüttert. Schon am 14. März soll er seiner Gemahlin gegenüber den Entschluss ausgesprochen haben, der Regierung zu Gunsten seines Bruders, des Erzherzogs Franz Karl, zu entsagen und sich in das Privatleben zurückzuziehen, und diesen Wunsch wiederholte er in der Folgezeit noch dringender. Aber Fürst Windischgrätz, der am Hofe großen Einfluss besaß und der Vertrauensmann der Kaiserin war, trat mit seiner ganzen Energie gegen die Abdankungspläne als etwas Unzeitgemäßes auf. Wenn es aber schon einmal zu diesem Schritte kommen sollte, dann sei die einzige gedeihliche Lösung dieser Frage nur die Thronbesteigung des Erzherzogs Franz Josef, des erstgebornen Sohnes des Erzherzogs Franz Karl. Eine Abdankung lasse sich nur rechtfertigen, wenn im Drange gefahrbringender Ereignisse kein anderer Ausweg übrig bleibt, um die Majestät der Krone unverletzt zu erhalten. Dann aber muss auch jener, den das Nachfolgerecht trifft, völlig unbefangen, unberührt von den vorausgegangenen Verwickelungen, unbeirrt und ungebunden durch sie, mit vollkommen freier Hand die Zügel ergreifen können. Der Vorschlag dieses im Rath der Krone so gewichtigen Mannes blieb denn auch in der kaiserlichen Familie nunmehr als die Zukunftsfrage auf der Tagesordnung. Die Octoberereignisse — die Ermordung des Kriegsministers Latour, worauf die kaiserliche Familie Schönbrunn verließ und nach Olmütz übersiedelte — beschleunigten die Entscheidung. Ende November waren endlich alle Vorbereitungen für den Thronwechsel getroffen. Auch Fürst Windischgrätz bezeichnete den Zeitpunkt als günstig hiefür. Der zweite December, ein Samstag, wurde für den denkwürdigen weltgeschichtlichen Act bestimmt. In der Nacht bekam das Militär den Befehl, früh zur Parade auszurücken. Am Morgen vor 8 Uhr versammelten sich in der fürsterzbischöflichen Residenz zu Olmütz, dem damaligen Hoflager, die Mitglieder des Kaiserhauses, der Hofstaat, die Minister, die höheren Beamten und Officiere — alles in höchster Spannung der Dinge harrend, die da kommen sollten. Nur wenige wussten, um was es sich handelte. Selbst Erzherzog Karl Ferdinand fragte noch den Kriegsminister: „ Was geht denn heute los, dass man uns schon um 8 Uhr hieher bestell hat? " „Belieben sich Euere kaiserliche Hoheit
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 2. Dezember 1898, S. 2, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6359-thronwechsel-im-jahre-1848-und-die-ernennung-des-erzherzogs-franz-1898).
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Hl. Pfingstsonntag. Erzherzog Karl Ludwig f> Eine tiefschmerzliche Trauerbotschaft ist in den Morgenstunden aus der Metropole des Reiches in die Provinzen hinausgedrungen, die um so erschütternder wirkte, als sie ganz un …
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