dass die Sehnsucht nach ihm mit stetem Anwachsen in unserer Brust emzieht. Eine wie wichtige Rolle dieser freundliche Wohlthäter in unserer gesamiuten Anschauung und, Denkweise spielt, erhellt schon daraus, dass sich das Lpr chwort, also die in bestimmte Form gemünzte Umgangssprache des Volkes, mit idm de - ' schästigt. Eines derielben lautet:.. Oien, Beit und Kanne — Sind gut lem allln Mann "; ein an j deres: „ Der muss sich hinter den Ofen legen — Der jeden Unfall will erwägen " Aber wiewol unsere Altvordern den Ofen sehr ho yhielten, galt es doch für eitel Ruhm, übermäßig viel in seiner Nähe zu verweilen Was ein Ofenhocker bedeutet, i weiß noch heute jedermann. So kam man zu den Sprichwörtern, wie: j „Wer auf der Ofenbank sitzen bleibt, für den ' givts nichts Höheres auf der Welt als fernen Kirchthurm " und: „ Hinter dem Osten wachsen ' keine Lorbeeren. " Wer „ keinen Menschen hinter j dem Ofen hervorlocken " kann, der braucht sich gleichfalls nicht darüber zu beklagen, dass ihm Mutier Natur eme * u große Portion Ve stand oder Beherztheit mit aus den Weg geg ben. Ueber einen warn en Ofen geht gar nichts; jedoch darf er nicht zu sehr geheizt sein, denn: „ Auf einem heißen Ofen wächst kein Gras " Utid „ Je heißer der Ofen, desto härter das Brot " In Schwaben warnt mau: „ So muss me kom Ofa juira, dass 's Fuir an d ' Stubeudecke schlät. " Ebenso wenig begehrt ist anderseits derjenige O en, der keine Wärme spendet. Tie dahinzielenden Sprichwörter lauten: „ Der Ofen allein thut ' s nicht, man muss auch Holz hineinlegen "; „ Ein kalter Oien macht keine Fliege lebendig "; „ Einen kalten Ofen hetzt niemand ". Wenn man von jemandem sagen muss: „ Bei ihm friert der Ofen ", so wird es gewiss traurig um ihn bestellt sein, drnn: „ W: rd der Ofen kalt, getm ' n die Freunde bald. " Allein sogar bei den Deutschen Hut der Ofeu sowohl in Bez g auf die Gunst, die er genoss, als auch hmsichtlich der Form, m welch r er aufv ' at, mancherlei Wandlungen erfahren Unsere Altvordern bauten ihn zu gar mächtigem Umfange aus. Aus dem Gesims, mit dem man rhu ausstattete, prangten bürte Teller und tvertvolle Krüge, und die Kacheln erhielten alle lei schmucke Verzierungen in Wort und Bild. Bald waren es einige der artigen Merkverslein, die ich oben wiedergegeben, bald das Conteefei eines Helden oder sonst eines wackeren Mannes, der dem Herzen unseres Volkes besonders nahe stand. Leider wu. de die betreffende Industrie in späteren Epochen derart vernochlässi t. dass sie in stUem Niedergange begriffen war. Und wre der Ofen Jetne künstlerische Gestaltung embüßte, so schrumpfte er auch hinsichtlich des Ansehens zusammen, das er einst bei unfern Altvordern genossen Winzig in der Form, ein dreieckiges Gestell, das man in einen möglichst kleinen Winkel des Zunmers schob, nahm ec sich in fernem Ausschm meistentheils so geschmacklos aus, dass kern Mensch an ihm Freude haben konnte. Erst die neueste Zeit hat Ihm wieder die wohlverdiente Würdigung anaedtthen lassen. Jnem man zu den alten Kunstformen zurückkehrle, schuf man Oesen, die den Wobnräumen in der That zum Schmucke gereichen. Uns r stummer Wohlthäler ist und bleibt nun einmal in diesen kalten Tagen der „ wärmste" Freund der deutschen Familie Freilich darf man weder zu verschwenderisch, noch zu knickerig sein, wenn er in der That tiefen Platz ausfullen soll, denn: „ Wie man den Ösen herzt, so wärmt er. ' Theater und Musik.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 17. Dezember 1898, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6365-die-bedeutung-des-ofens-in-der-deutschen-familie-und-seine-1898).
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