Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
STILLE NACHT AUS ARNSDORF

80 Jahre des Entstehens des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. Dezember 1898 · Seite 10 · #Weihnachtskrippen
Decembeo in unser aller Vorstellung die typische Form des Festes bezeichnet, die die Spiele, Umzüge und Krippen mehr und mehr verdrängt, auch die früher weit verbreitete Feür de - Nikolaustageverdunkelt hat. Vergegenwärtigen wir uns aber die einzelnen Züge des Festes itodb einmal, so sehen wir jeden einzelnen tief im bistorisch n Leben unseres Volke wurzeln. Wir finden den Schmuck der Tannenzweige schon in der Halle der alten Germanen; wir sehen, wie schon er den Apfel als das Symbol der LebenSgöttin Jdun verehrte: wir erblicken der: Wiederschein unserer Weihnachtslichter auf Altdeutschlands Bergen und auf der Feuerstelle, in der der Julblock brannte; wir treffen endlich die Neigung, sich um diese Jahreszeit zu beschenken, sogar schon im alten Rom. So lebt uralte Vergangenheit alljährlich in unserem Heim neu belebt und sinnvoll auf. Doch wer könnte der deutschen Weihnacht gedenken, ohne das ihm die weihvollen und altvertrauten Töne des schönsten aller Weihnachtslieder im Ohre klängen? Auch das Lied „ Stille Nacht, heilige Nacht " ist ein unablöslicher Bestandtheil der Feier geworden und verdient daher noch einige Worte. ES stammt aus dem Salzburger Land?. Gerade vor 80 Jahren, am 24. December 1818, überreichte der Arnsdorfer älfspriester Josef Mahr dem Organisten Franz «ruber ein Gedicht mit der Bitte, eS für zwei Solostimmen mit Chor iu Töne setzen und eine Guitarrenbegleitung dazu schreiben zu wollen. Gruber entsprach dieser Bitte noch am selben Abend, und in dieser Christnacht ertönte zum ersten Male und unter allgemeinem Beifall die neue Weihnacht weise. Mohr ist 1848, Gruber 1863 ( zu Hallein) gestorben. So ist dies Lied, das über all ' die alten, schönen Weihnachtshymnen und Sequenzen in der Volksgunst den Sieg davongetragen hat, ein wahrhaft neuer Zug; und wenn all ' die alten mannigfachen Sitten und Bräuche der deutschen Christnacht von altem Glauben und seinen Wandlungen und Geschicken erzählen, ss dürfen wir froh der schaffenden Kraft gedenken, die auch der neueren Zeit nicht versagt ist, die unS die köstlichsten Freuden, di: lieblichsten Stunden unserer Kindheit in - Gedächtnis zurückrufen: „Stille.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Dezember 1898, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6366-80-jahre-des-entstehens-des-weihnachtsliedes-stille-nacht-heilige-1898).

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