Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DICHTER MIT BLAUER UND ROTER TINTE

Erinnerungen an den wälschtirolischen Krieg von Dr. Adolf Pichler

Juni Adolf Pichler im wälschen Kriege ( 1848). In meiner Tirolensien - Bücherei befindet sich unter den stattlichen Bänden der Werke des Altmeisters tirolischer Dichtkunst ein dünnes, unscheilibares Heft in blauem Umschläge, das sich liest wie eine Reihe interessanter Feuilletons eines Kriegsberichterstatters, nur mit dem Unterschiede, dass in diesem Falle der Kriegs - Correspondent nicht wie sonst manchmal daheim am warmen Ösen oder in schattiger Laube seine Schlachtenbriefe zusammendichtete, sondern selbst mit dabei war mit der Feder sowohl wie auch mit dem blanken Säbel in der jugendlich kräftigen Faust. Das vergilbte Büchlein, welches vor nunmehr fünfzig Jahren im Verlage von Josef Keck u. Sohn in Wien erschienen ist, trägt den Titel: «Aus dem wälschtirolischen Kriege " von „ Dr. Adolf Pichler, Schützenhauptmann " und die Widmung: „ Meinem Freunde Dr. Johannes Schüler ". — Adolf Pichler — der Dichter — ist bekannt in den gebildeten Kreisen, soweit die deutsche Zunge reicht, Adolf Pichler als Mann der Wissenschaft, als Gelehrten und als Lehrer gebürend zu würdigen und zu feiern, das möge einer berufeneren Feder überlassen bleiben, dafür soll an dieser Stelle einiges auS dem oberwähnten blauen Hefte erzählt werden, um zu zeigen, dass wir in unserem Alten der Berge nicht nur den großen Dichter und den hochverdienten Gelehrten, sondern auch einen in blutigem Kampfe erprobten Vertheidiger unseres Baterlandes in dankbarer Weise zu ehre > r haben. Als im Frühjahre anno 48 die Oesterreicher aus Mailand weichen mussten und die Italiener nachdrängten durch die Lombardei gegen den Gardasee, da zeigte sich bald auch daS Tiroler Land ernstlich bedroht und eS dauerte wirklich nicht lange, bis da und dort auf tirolischem Boden die grün weiß rothe Fahne wehte. Während nun in Tirol selbst allenthalben Schützencompagnien gebildet wurden zur Verteidigung des Vaterlandes und anderseits daS kaiserliche Militär den ins Land gebrochenen Gegnern kräftig entgegentrat, thaten sich auch die in Wien lebenden Tiroler Studenten rasch zu einer Schützencompagnie zusammen, um als solche heimzukehren und an die lombardische Grenze zu eAen. Am 4. April fand bei der „ Sonne " auf der Wieden in Wien eine große Versammlung statt, bei der die Begeisterung hohe Wellen schlug. Ueberall ertönte der Ruf: „ Die Wälschen sollen nicht eine Hand voll Tiroler Erde haben, keine Spanne vom alten deutschen Reichsboden! " — „ Und wenn es dar ist — rief der alte?. Joachim Haspinger mit funkelnden Augen
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Juni 1899, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6446-erinnerungen-an-den-waelschtirolischen-krieg-von-dr-adolf-pichler-1899).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Literatur, Theater & Musik“

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |