Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEISTLICH ODER WELTLICH?

Beschluss über Anstellung einer weltlichen Lehrerin an der Mädchenschule in Willen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 25. September 1899 · Seite 5 · #Schule und Kirche
Gemeindeausschuss Willen. Nach Eröffnung der Sitzung um 5 Uhr 5 Min., welcher 18 Mitglieder des Ausschusses beiwohnten, gab der Vorsitzende Gemeindevorsteher Herr Ingenieur Rudolf Tschamler da « bereits am Samstag mitgetheilte Danktelegramm Sr. Majestät des Kaisers bekannt. Hierailf kam das Protokoll der letzten Sitzung zur Verlesung und Genehmigung. Nach Uebergang zur Tagesordnung werden dem Gemeindevorsteher die nöthigen Mittel bewilligt, um für die unterirdischen Localitäten des Schulhauses. inen Abort im Parterre durch Untertheilung eines bestehenden und eine Canalisierung an der Nordseite des Hauses zur Ableitung des Regenwassers herzilstellen. Als Vertrauensmänner in die Einkommensteuercommission werden die Herren Albert Schweigt, Kaspar Kohnle, Franz Gradischegg u. der pensionierte Communalverwalter Karl Zimmeter gewählt. Der Bezirksschulrath hat an den Ortsschulrath eine Zuschrift gerichtet und diese der Gemeindevorstehung abgetreten, worin mitgetheilt wird, dass die provisorische Lehrstelle an der Knabenvolksschule dem Lehrer Georg Mader in Rätters verliehen wurde und dass die Gemeindevertretung sich darüber äußern möge, ob die provisorische Lehrerinstelle durch eine geistliche oder weltliche Lehrerin zu besetzen sei. GA. Albert Neuhauser tritt für die Anstellung einer geistlichen Lehrerin ein, da die Leistungen derselben bisher vollkommen entsprechend waren und die Anstellung einer weltlichen Lehrerin ein Miss trauen gegen dieselben bedeuten würde u. auch eine Mischung ' des Lehrkörpers an der Mädchenschule wohl nicht angezeigt wäre. GR. Dr. Duregger ist principiell für Altstellung weltlicher Lehrerinnen. RkchüchAA', Vorsteher Tschamler kann in der Anstellung einer provisorischen weltlichen Lehrerin kein Misstrauen für die geistlichen Lehrerinnen erblicken. GA. Tjchugmell stellt den jetzigen geistlichen Lehrerinnen als Ortsschulaufseher das beste Zeugwil aus, meint aber, man sollte durch eine principielle Entscheidung nicht den wellt. Lehrerillnen die Anstellung in Willen unmöglich machen. Bei der Abstimmun wurde der Antrag Dr. Dureggers, es sei eine weltliche Lehrerin für das Provisorium anzustellen, mit 12 gegen 5 Stimmen angenommen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. September 1899, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6502-beschluss-ueber-anstellung-einer-weltlichen-lehrerin-an-der-1899).

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