Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
GEISTREICH UND GRÜNDLICH – SCHÖNHERRS ERBE

Würdigung der kunsthistorischen Schriften David von Schönherr von Michael Mayr

DrceMOVV» David von Schönherr gesammelte Schriften H rausgegeben von Vr. Michael Mayr. Z. Bd. Kunst historisch es. „Ich bin von der Meinung befangen, dass alles, wenn auch noch so geistreiche Gerede über Kunst und Alterthum ohne urkundliche Grundlage keinen vollkommenen Wert haben kann, dass hier vor allem auf dem Gebiete historischer Forschung vorgearbeitet werden muss. " Das war keine Befangenheit, sondern klares entschiedenes Bewusstsein Schöuherr ' s, der zwar geistreich, humorvoll, volksthümüch wie kein Zweiter über Geschichte, Cultur und Kunstschaffen seines heißgeliebten Heimatlandes Tirol zu reden und zu schreiben verstand, der aber eine zu gründliche, ernsttiefe Natur war, um bei Vertauschung des Redactiousstiftes mit Schere und lumpigem Zeitungspapier gegen den Griffel Klio ' s, Pergament und Siegelkapseln, der Lodenjoppe des OberschützenmeisterS gegen die gar lange schwach besternte, schwach besoldete Staatsuniform — nicht zu wissen, dass zwar nicht das Kleid den Mann macht, aber immerhin so viel bedeutet, dass der Mann aus dem Kleide etwas machen kann, wenn er nämlich auS sich selbst etwas macht, d. h. schafft. Das hat Schönherr redlich gethan, wozu ihm auch ein Redlich über ein Jahrzehnt ausgiebig geholfen. Wir glauben es ist derselbe Kunsthistoriker an der Wiener Universität und am Institut für österreichische Geschichtsforschung, der dem Verblichenen die feierliche Grabrede gehalten, welche in unserem ersten tirolischen Wissenschaftsund Kunstarchiv: in der Ferdinandeumszeitschrift vorige - Jahr abgedruckt erschien. Schönherr, der als Sanguiniker sich bisweilen über der Menschen Undank beklagte, wenn nämlich der erwartete Dank nicht rechtzeitig genug chm erstattet schien, durfte an seinem schönen Lebensabend mehr als befriedigt auf seine stetig aufsteigende Bahn, von glänzenden Anerkennungen und Ehrungen begleitet, zurückblicken, wie solche in gleichem Ausmaße kaum einem von der Pike auf avancierenden Staats -, nein Hilfsämterbeamten zutheil geworden. Er war sich als rechter kampflustiger Alttiroler auch seines Wertes bewusst, wusste seine Rechte zu wahren, scheute sich auch nicht, nach Verleihung des eisernen Kronen - Ordens um Verleihung des Adels anzusucheu. Seine politische Unausgesprvchenheit war imgrunde genommen politische Klugheit — persönliche Freiheit — er war eine zu bewegliche selbständige Natur, um sich einer Partei auf Gnade und Ungnade zu ergeben; — man kennt seine conservative Grundgesinnung, durchzogen von liberalisierendem Wellenschlag in den Tagen der Kämpfe um Tirols
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. Dezember 1899, S. 10, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6538-wuerdigung-der-kunsthistorischen-schriften-david-von-schoenherr-von-1899).

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