Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VIER FENSTER MIT HEILIGEN WUNDERN

Neue Glasfenster in der Kirche zur Verherrlichung der Heiligen Nikolaus und Martinus

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 27. Juli 1900 · Seite 3 · #Pfarrkirche St. Nikolaus
N. N. Freitag den 27. Juli 1900. j auf der Evangelienseite ( vom Hauptthor hinein linkst Das vorderste zeigt uns den heiligen Nikolaus, wie er drei Töchtern eines armen Mannes Geld zur Ausstattung durchs Fenster hineinlegt. Das zweite, wie durch sein Gebet ein Sturm auf dem Meere gestillt wird. Das nächste daran stellt dar, wie der Heilige dem Kaiser Constantin erscheint und ihm befiehlt, drei unschuldig Eingekerkerte sofort frei zu lassen und ihre Verleumder zu strafen. Das vierte endlich ( zunächst bei der Seitenkirchthür) bringt uns den Tod des großen Bischofs zur Anschauung. Auf der Epistelseite finden wir in gleicher Reihenfolge einige Thatsachen aus dem Leben des heiligen Martinus. 1. Martinus schneidet als Soldat mit dem Säbel seinen Mantel entzwei und gibt die Hälfte einem Bettler zur Bekleidung; 2. Christus erscheint in der folgenden Nacht dem schlafenden Martinus, zeigt den Engeln das dem Bettler geschenkte Mautelstück und spricht: „ Mit diesem Kleide hat mich der noch ungetanste Martinus bedeckt" ( „ Was ihr dem Geringsten meiner Brüder gethan rc. "); 3. Martinus hat als Bischof beim Meffelesen eine Engelserscheinung ( Messe von Bolseno); 4. der Heilige erweckt das Kind einer Witwe zum Leben. Dies letzte ( vom Hauptthor hinein rechts das erste) dürfte, was religiöse Weihe anbelangt, wohl unter allen das würdevollste und schönste sein, man kann sich kaum satt sehen daran. Ueberhaupt Hort man, Kleinigkeiten abgerechnet, nur eine Stimme des Lobes: „ Das ist herrlich, das ist eine wahre Pracht," so sagen viele. Die vier neuen sind ganz besonders schön und etwas lichter gehalten als die ersten. An fünf Fenstern sind die Namen derjenigen zu lesen, welche, wenn auch nicht voll und ganz, so doch zum größten Theil das betreffende Fenster gespendet haben. Dabei ist das schon im Evangelium gerühmte „ Opfer der Witwe " am meisten vertreten. Ganz natürlich! Wer sucht und findet wohl häufiger in der Kirche Trost als eine Witwe in ihrer Verlassenheit? Zum Dank dafür trügt sie mit Recht gerne etwas zur Verschönerung des Gotteshauses bei. Allen Wohlthätern sei hiemit der innigste Dank gesagt! Drei Fenster warten noch, ob sich vielleicht auch ihrer jemand erbarmt. Dass sie alle miteinander nicht billig kommen, versteht sich vou selbst. „Aber warum soviel Geld hinauswerfen? das sollte^ man lieberden Armen geben rc., " wird sich mancher denken. Ich antwortete: „ Die Erfahrung Lehrt, dass diejenigen, welche in der Kirche gerne etwas spendieren, auch gegen die Armen am meisten freigiebig find. Wegen der Kirche also kommen die
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 27. Juli 1900, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6624-neue-glasfenster-in-der-kirche-zur-verherrlichung-der-heiligen-1900).

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