Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
POLITIK IM GASTHOF

Zweite conservative Wählerversammlung mit Rede des Reichsrathscandidaten Dr. Malsatti

Conscrvative Wählerversammlung. Gestern abends hat im Gasthof „ Alpenrose " hier die zweite, vom conservativen Wahlcomitä einberusene Versammlung stattgefnnden, die weit besser als die erste besucht war. Prof. Genelin, von der Versammlung zum Vorsitzenden gewählt, ertheilte dem Neichsrathscandidaten Dr. Malsatti das Wort. Dieser dankte den Versammelten, dass sie mit Hintansetzung der eigenen Bequemlichkeit gekommen seien, wies auf die schlimme Lage hin, in der sich Oesterreich heute befinde, und betonte, dass dasselbe im politischen Werte gesunken sei; in Fragen der Dreibundpolitik heiße es nie im deutsch m Reiche: Was wird etwa Oesterreich dazu sagen? Redner streifte daun das Verhältnis Oesterreichs mit Ungarn, die Sprachenangelegenheit, dieOvstruction der Deutschen, die der Tschechen und andere politische Vorgänge; er erhofft sich Besserung dadurch, dass die Streitenden getrennt d. h. die Sprachenzwistigkeiten beseitigt werden, nur so könne eine wirtschaftliche Besserung eintreten und ein arbeitsfähiges Parlament hergc stellt werden. Nach mehreren weiteren Ausführungen und dem Versprechen, wenn es gelungen, ein arbeitsfähiges Parlament herzusteKeu, in dem selben nach bestem Gewissen zu arbeiten, berührte Dr. Malsatti auch seinen Standpunkt gegenüber seinem Gegencandidaten Dr. Erler. Er jagte unter anderem, dass er nicht der Ansicht Dr. Erlers sei, dass ein Abgeordneter das zu Lhun habe, was seine Wähler wünschen ^. er lp. be aber wieder den Punkt mit Dr.. Erler gemeinsam, da er für einen gerechten Ausgleich mit Ungarn ein treten werde, sowie für die Erhaltung des Getreideaufschlages für Tirol. Seine öfters durch Beifall unterbrochenen Ausführungen schloss er mit dem Versprechen, wenn es unmöglich sein sollte, die Interessen seines Wahlkreises im Parlamente zu fördern, bereit zu sein, selbst durch das unrentable Schnallendrücken etwas herauszuschlagen und stets einzulreten für Gerechtigkeit und treue Pflichterfüllung. Prof. Dr. Genelin wandte sich dann des öfteren gegen die fortschrittlichen Parteien und Dr. Erler, bedauerte, dass
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. Jänner 1901, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6704-zweite-conservative-waehlerversammlung-mit-rede-des-1901).

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