Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
INN HAT HOLZ ANGESCHWEMMT – UND BEGRABEN

Auffindung prähistorischer Baumstämme und Knochen bei Ausgrabungen am Fürstenweg

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 24. April 1901 · Seite 4 · #Archäologie
(Auch eine Ausgrabung.) Dem vom Bahndurchlasse zum Husslhofe gegen Wilten den Fürstenweg entlang Wandernden fällt rechts vom Wege eine früher nicht vorhanden gewesene Einzäunung mit einem Sandwalle davor in die Augen. Es wurde an dieser Stelle, an der sich die Wohlgerüche, mit Venen die Wiltenerfelder den Wanderer empfangen, im verstärktem Maße geltend machen, eine 2 — 3 Meter tiefe Sickergrube ausgehoben, die das für Düugungszwecke nicht verwendbare Latrinenwasser anfzimehmen, wie es scheint, bestimmt war, diesem Zwecke aber kaum entsprechen wird, weil die Wände und der Boden aus festem lehmartigen Jnnsande bestehen, nicht durchlässig genug sein werden. Es befindet sich diese Grube hart am Fuße des Abhanges, der vom Bahndamme her westlich vom städt. Friedhofe vorüber bis zur „ Froschlacken " sich hinzieht und dort an der Straße verschwindet. Wo der Fürstenweg diesen Abhang durchschneidet, zwingt er die Straße aufzusteigen bis auf die Ebene, auf der der Friedhof steht. Es hat vor Jahrhunderten dieser Abhang zweifellos das rechtseitige Ufer des Inns gebildet, der heute noch beim sogenannten Christofziegelstadel unverkennbar längs der Berglehne am Bierkeller vorbeizuströmen die Neigung zeigt. In einer Tiefe von 1 — 2 Meter stieß man beim Ausheben ihres sandigen Inhalts auf 8 große Baumstämme aus Nadelholz, die in verschiedener Höhe über Quer fest im Sande eingebettet lagen. Ihr Holz war gut erhalten, theilweise wie frisch gehackt mit noch weichem Harze. Auch Knochen von einem Rmde herrührend giengen her. Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Inn diese Baumstämme an dieser Stelle angeschwemmt und dann eingesandet hatte, wo sie jetzt vielleicht Jahrhunderte lang begraben lagen, (Prähistorische Funde in Mühlau.) Bisher wurden bei den Ausgrabungen in Mühlau 36 Urnen und 2 Steingräber aufgefunden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. April 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6767-auffindung-praehistorischer-baumstaemme-und-knochen-bei-1901).

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