Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHULE TRITTLAUF IN DIE BRONZEZEIT

Fund eines Urnenfeldes bei Bauarbeiten für das neue Schulhaus in Mühlau

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 10. April 1901 · Seite 4 · #Archäologie
(Ausgrabungen in Mühlau.) Bekanntlich erbaut die Gemeinde Mühlau in der Nähe der Kirche ein neues Schulhaus. Bei der Grundaushaupt war die Tanzmusik bei Politikern von altersher bevorzugt, schon deswegen, weck die Menschen meh für das Fühlen denn für das Denken organisiert sind und nichts den Menschen mehr abhält, über sich selbst und seinen Zustand nachzugrübeln, als jene Musik, welche die Füße Hüpfen und alle Mühsal vergessen macht. Lanner und Strauß haben es vielleicht mehr als die Regierungskunst Metternichs fertiggebracht, dass die Wiener an die Bethätigung eines selbständigen Denkens und Wollens gar nicht dachten, so lange ihnen so lustig aufgespielt wurde. Wie man sieht, ist der Walzer nicht bloß ein musikalisches Juwel in köstlicher Fassung, sondern der Dreischritt war geraume Zeit auch ein politischer Factor, darnach angethan, das vormärzliche Regierungssystem zu stützen. Neben und nach Lanner und Strauß haben auch Morelly, der alte Fahrbach, Ziehrer u. a. und ganz besonders die drei Söhne des alten Strauß, Johann, Josef und Eduard den Walzer kultiviert, allerdings in der prunkvollen Ausstattung symphonischer Kunst. Lanner hatte wohl auch die Freude, seinen begabten Sohn August für sein Fach heranzubilden und den Wienern vorzuführen. Doch starb der junge Mann bereits im 21. Lebensjahre an Lungenschwindsucht. Eine Tochter Lanners, Katharina, hat als Tänzerin einen europäischen Ruf erlangt. Der alte Lanner war Ehrenbürger von Wien und er hat diese Auszeichnung wohlverdient, nicht nur wegen des schönen Kunstruhmes, womit er seine Vaterstadt geschmückt, sondern mehr noch wegen seines regen Wohlthätigkeitsstnnes, den er bei jeder Gelegenheit vethätigt hat. Hebung stießen die Arbeiter nun auf ein Urnen - Feld von anscheinend bedeutender Ausdehnung. Die hievon verständigte Leitung des Museums begab sich an Ort und Stelle, um die Ausgrabungen zu leiten. Bis gestern wurden vom Museums - Custos Fischnaler 7 Urnen bloßgelegt, die theils frei in der Erde lagen, theils auf Stein - Unterlagen aufgebaut waren. Die weiteren, heute von Hofrath R. von Wieser fortgesetzten Forschungen werden Näheres über die interessanten Funde ergeben; bis heute ist festgestellt, dass es sich um Urnen aus derselben Zeit handelt, wie die unlängst bei Hötting aufgefundenen. Hervorzuheben ist die Zuvorkommenheit des Baumeisters Herrn Mayr hier, durch dessen Bereitwilligkeit es der Museumsleitung ermöglicht wurde, die Forschungen mit Erfolg zu betreiben, denn es ist begreiflich, dass durch das mit peinlicher Genauigkeit vollführte Graben der Fortgang des Schulhausbaues mehr oder weniger behindert wird.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 10. April 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6761-fund-eines-urnenfeldes-bei-bauarbeiten-fuer-das-neue-schulhaus-in-1901).

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