Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DREI BLATTERNFÄLLE – KEIN PANIKMACHEN

Beruhigende Mittheilung über die Blatternfälle in Innsbruck und Wilten

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 4. Juni 1901 · Seite 5 · #Blattern
Der Herr Bürgermeister gibt hierauf eine kurze Darstellung der Entstehung der beiden Blatternfälle in Innsbruck und des einen in Wilten, aus welcher die vollkommene Beruhigung geschöpft werden kann, dass gegenwärtig in Innsbruck ein Blatternfatt nicht zu verzeichnen ist und die beunruhigenden Gerüchte vollkommen unbegründet sind. Ein Italiener kam von Düsseldorf bereits mit den Blattern behaftet hier im Laufe des Monats April an. In Innsbruck hielt er sich, ohne indes ein Local zu betreten, 16 Stunden auf, dann reiste er nach Trient weiter, wo er im Spital Aufnahme fand und die Blattern festgestellt wurden. Ungefähr 14 Tage später erkrankte auf der Nervenklinik des hiesigen Krankenhauses ein italienischer Arbeiter ebenfalls an den Blattern. Derselbe war zum Besuche seiner Mutter nach Trient gefahren und auf der Reise mit dem obenerwähnten Arbeiter in Berührung gekommen. Einige Tage später nach seiner Rückkehr in die Klinik wurde der Mann als blatternkrank erklärt und sofort in das Blatternepidemie- Spital gebracht, in dem er am 25. Mai der Krankheit erlag, während der andere Italiener, von dem er inficiert worden war, in Trient genesen ist. Die Beerdigung des Verstorbenen fand unter besonderen Vorsichtsmaßregeln statt, auch die Nervenklinik war gesperrt worden, jedoch ist die Sperre jetzt wieder aufgehoben. Der zweite Fall betrifft einen Sohn des Herrn Hofrathes Sanier, der als Bahnbeamter in Salzburg mit Italienern in Berührung kam und da er sich unwohl fühlte, nach Hause fuhr. Doch war dieser Krankheitsfall ein sehr leichter, trotzdem wurden selbstverständlich alle Vorsichtsmaßregeln getroffen, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Herr Sauter ist bereits genesen und hat vom Arzt die Erlaubnis erhalten, auszugehen. Gegenwärtig haben wir in Innsbruck keinen einzigen Blatternfall, von einer Blatterngefahr kann nicht im geringsten gesprochen werden. Einzelne Fälle kommen wohl überall vor. Wie sich aus der Darstellung ergibt, waren übrigens in beiden Füllen die Erkrankten zugereist. Der Herr Bürgermeister erwähnt auch des in Wilten vorgekommenen Falles. Auch dort wurde der Erkrankte sofort ins Wiltener Epidemiespital übertragen und es hat sich seitdem nichts mehr gezeigt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 4. Juni 1901, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6798-beruhigende-mittheilung-ueber-die-blatternfaelle-in-innsbruck-und-1901).

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