Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WILTEN WILL KLARE ABFLÜSSE

Berathung über Canalisation und Schulhausbau in der Gemeinde Wiltens

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 19. Juni 1901 · Seite 4
(G e m e i n d e a u s s ch u s s W il t en.) Gestern nachmittags 4 Uhr fand unter dem Vorsitze des Gemeindevorstehers Herrn Fritz Heigl eine Sitzung des Gemeindeausschusses statt, an welcher 21 Mitglieder desselben beiwohnten. Zu Beginn der Sitzung begrüßte der Vorsitzende das neugewählte Mitglied des Ausschusses Herrn Vincenz Brunner. Hierauf wurde das Protokoll der letzten Sitzung verlesen und genehmigt. Der Vorsitzende theilt mit, dass für den Schulhausbau vier Offerte einlangten, welche dem Baucomite zur Antragstellung überwiesen wurden, welches heute die bezügliche Berathung pflegen wird, so dass der Gemeindeausschuss demnächst in die Lage kommen wird den Bau zu vergeben. Nach Uebergang zur Tagesordnung berichtet der Vorsitzende über das Ansuchen der Stadt Innsbruck um Zustimmung zur Einbringung eines Gesetzentwurfes über die Canalisation. Er charakterisiert das Zustandekommen der bekannten Petition gegen die Zwangsdurchführung der Canalisation, erwähnt der Gegenpetition des Hausherrenvereines und bringt eine die krassen Uebelstände des Abortwesens in der Gemeinde schildernde Zuschrift der k. k. Bezirkshauptmannschaft auf Grund eines Gutachtens des k. k. Sanitätsinspectors, welche eine gründliche Abhilfe dieser Uebelstände verlangt und eine solche nur in der Einführung des Schwemmcaualsystems erblickt. Redner betont, dass es nothwendig würde, wenn der Anschluss an die städtische Canalisation nicht erfolgen würde, derart schwerwiegende Arbeiten durchzuführen, die die Hausbesitzer in derartige Kosten stürzen müssten, die sie umso schwerer empfinden würden, als dieselben vergeblich wären und sich die Canalisation doch nicht vermeiden ließe. GA. Peer erklärt, dass er gegen den Anschlusszwang sei, da viele Hausbesitzer sind, die die Kosten nicht erschwingen können, überdies gebe es in Milten noch Grundbesitzer genug, die die Fücalien benützen. GA. Neuner möchte Aufschluss über die Kosten haben. GA. Erlacher stimmt dem GA. Peer zu. GA. Dr. Mader betont, dass der Beschluss bereits besteht, dass die Gemeinde sich der Canalisation anschließt, um eine Verseuchung zu vermeiden und betont, dass der Zwangsanschluss nothwendig sei, weil sich sonst gerade jene Hausbesitzer nicht anschließen daher, dass sich die Langobarden dort, wie überhaupt, ziemlich leicht haben romanisieren lassen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. Juni 1901, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6802-berathung-ueber-canalisation-und-schulhausbau-in-der-gemeinde-1901).

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