Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAJONETTE VOR DER HOFBURG

Italienische Demonstranten vor der Hofburg – Polizei und Kaiserjäger im Einsatz

Posten vor der Hofburg bezogen hatte, versuchte die Demonstranten, sich zerstreuen, wobei zwei derselben verhaftet wurden; auch ein dem Arbeiterstande Angehöriger wurde wegen Wachebeleidigung verhaftet. Die Studenten zogen sich in die Universität zurück, wo die lärmenden Scenen und die „ ^. bdL83o " - Rufe unter dem Thore und van den Fenstern aus fortgesetzt wurden. Kurze Zeit darauf begab sich die Gruppe abermals vor die Hofburg, um die Scenen fortzusetzen, wurde aber daun von der Sicherheitswache verdrängt. Die Italiener zogen dann zum Rathhause, um die Freilassung der Verhafteten zu erwirken, wussten aber schließlich unverrichteter Sache üblichen. Im Laufe des Nachmittags wurden dieselben auf freien Fuß gesetzt. Um 7 Uhr abends war vor der Hofburg aberwals eine Demonstration geplant; schon lange zuvor hatte sich vor der Burg eine bedeutende Menschenmenge angesammelt, alles Neugierige, die von dem Plane der Italiener wussten. Gegen 7 Uhr abends kam ein Zug italienischer Studenten und ital. Arbeiter die Maria Theresienstraße herab und wollte über den Burggraben vor die Hofburg marschieren. Vor dem Franciscanerbogen wurde er jedoch von der Polizei zurückgedrängt. Die Demonstranten beantworteten dies mit Pfeifen und demonstrativen Rufen, wie: LI luoxotenents! " „Lwiva LI ^ rento! " und zogen nun, begleitet von einer großen Menge sonst Unbeteiligter unter Schreien, Pfeifen, Rufen: LNuo ^ otenevte! " u. s. w. und Absingen der Trientiner Hymne durch die Museumstraße, Sillgasse zur Chotecksallee, um auf dem Reunwege zur Hofburg zu gelangen. Inzwischen war gegen den Willen des Herrn Bürgermeisters Greil, der wiederholt erklärt hatte, dass das städtische Polizeiaufgebot vollkommen genüge, um Ausschreitungen hintanzuhalten, von anderer Seite ein Halbbataillon Kaiserjäger requiriert worden, die im Burghof Aufstellung nahmen. Die Polizei kam den Demonstranten bis zum Mauthhause entgegen, wo es ihr gelang, die fortwährend Lärmenden aufzuhalten. Die Kaiserjäger hatten unterdessen den Rennweg vom Stadttheater zur Hofburg mit ausgepflanztem Bajonnette abgesperrt. Von den Demonstrierenden wurde fortwährend versucht, den Zugang zur Hofburg frei zu bekommen, sie mussten sich aber schließlich zerstreuen. Er wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, im ganzen 8. Bürgermeister W. Greil und Pokizeiobercommissär Neuner intervenierten. Das Militär wurde, nachdem etwas Ruhe eintrat, wieder in den Burghof zurückbefohlen. Um halb 10 Uhr nachts zeigten die Straßen der Stadt dasselbe friedliche Bild wie vorher.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. November 1901, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6868-italienische-demonstranten-vor-der-hofburg-polizei-und-kaiserjaeger-1901).

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