Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
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Erster Autorenabend der Gemeine Jungtirol im Deutschen Caf6

Jungtiroler Autorenabend. Der erste Autorenabend der Gemeine Jungtirol fand am 22. März im Deutschen Caf6 statt. Der Besuch war ein zahlreicher, so dass der Saal schon bald nach 8 Uhr gefüllt war - Unter den Erschienenen bemerkten wir Hofrath von Schiffner, Frau Hofräthin von Ficker, Professor von Scala, Prof. Widmann aus Salzburg und zahlreiche Vertreter der Schriftstellerwelt. Auch die Anzahl der erschienenen Damen zeugte dafür, dass man in Innsbruck das Bedürfnis nach literarischen Abenden gar sehr empfindet. Kurz nach der festgesetzten Beginnzeit eröffnete HugoGreinz die Versammlung und schilderte das Werden der alpenländischen Heimatkunst, den Zusammenschluss einzelner Poeten in den Provinzen, das Auftauchen junger Schaffender und endlich das Entstehen der freien Gemeine Jungtirol. Hierauf trug Ludwig von Ficker Gedichte von Arthur v. Wallpach, Mayr- Günther, Hedwig Reichert und Paul Ros si vor, unter denen besonders Günthers „ Gaben der Armuth " an die Seelen griff. Nach ihm las Toni Renk ein Bild aus Tirol „Der Marterlsixt ", welches die Mitte hält zwischen Culturbild und Novelle und sich mit dem äußeren Leben und dem ahnungsvollenSeelenleben eines Tuifelemalers befasst. Franz Krane Witter brachte uns eine zumeist im Dialog geschriebene Novelle „Der Naz ", die gebieterisch ihre dramatische Verkörperung verlangt. Das Stück — wir können es heute schon Stück nennen — ist voll herber Lebenstragik, ein realistisch düsteres Volksbild, über das in furchtbarer Größe das starre Antlitz des Todes hereinschaut. Nach Padua hinab führte uns Arnold Hagenaue r, indem er uns in seinem „Teufelstriller" einen Naestro schildert, der, obwohl großer Künstler, dennoch nie die vollen Stimmen seiner Seele ganz in die Töne zu zwingen versteht — ein musikalischer Faust, an den der Meister aller Künste, waestro äiavolo, mit seiner Verführung herantritt. Diese gelingt ihm aber nicht, jedoch der Künstler erlauscht eine Teufelsarie, die er später in Töne umsetzt. Das ist auch sein letzter Erfolg, in Elend und Armut muss er verkommen, da er dem Ruf der Hölle nicht gehorchte. Das Capitel ist aus dem Romane „Gottfried Sommer. " Ludwig v. Ficker las mit bedeutender schauspielerischer Kunst eine dramatische Scene „Der Hinke fuß," welche ein psychologisches Problem der Ehe darbietet, das immer interessiert, aber auch nicht unanfechtbar ist.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. März 1902, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/6946-erster-autorenabend-der-gemeine-jungtirol-im-deutschen-caf6-1902).

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