Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ARLBERT-FAHRTEN OHNE SCHNEEFREI

Vorbereitungen zur Automobilfahrt Paris–Wien auf dem Arlberg

Automobilfahrt Paris — Wien. Aus St. Anton am Arlberg wird uns geschrieben: Wie nun festgestettt ist, werden die Tourenfahrer der beiden Auiomobilclubs Wien und Paris am 24. ds. und die Wettrennfahrer am 28. ds. den Arlberg passieren. Für die Tourenfahrer am 24. d. sind bereits die Stellen, an denen Wachposten aufgestellt werden, bestimmt. Die letzteren müssen von St. Christoph auf dem Arlberg bis exclusive Strengen von 5 Uhr früh bis 5 Uhr abends am Platze sein und erhalten hiefür je 4 Kronen. In der genannten Strecke ist eine bedeutende Zahl vorgesehen. Weiter wird uns aus St. Anton unter dem 20. ds. geschrieben: Wie bereits mitgetheilt, ist die Arlbergstraße, um die stattfindendeu Automobilfahrten zu ermöglichen, gestern nach großen Anstrengungen und mit bedeutenden Kosten für den Wagen -, bezw. Gesammtverkehr eröffnet worden. Es ist jedoch nicht die ganze Breite der Reichsstraße schneefrei, sondern stellenweise nur 2 05 bis 3 Meter. Es können also Wagen und Automobile in allen Breiten verkehren und auch an einzelnen Stellen der Schneestrecken ausweichen. Für die Automobil - Rennfahrer genügt dies jedoch nicht, weil beim Schadhaftwerden eines Automobils die Straße für die Concurrenten verlegt und auch ein beliebiges Vorfahren unmöglich wäre. Es wurde daher von den Auiomobilclubs erwogen, ob nicht alle 500 Meter eine lange und breite Ausweiche geschaufelt und ein Pferd zum eventuellen Wegziehen eines schadhaften Automobiles bereit gehalten werden sollte, ebenso ob die Schneestrecke nicht auf ihre Kosten in der ganzen Breite freizumachen wäre. Wie nun aber verlautet, wird die Straße so rasch als thunlich vom Straßenärar noch breiter frei gemacht, wobei auch der heute nachmittags eingetretene warme Regen mithilft. Ter derzeitige Zustand der Straße ist folgender: Von St. Anton ander Ostseite des Arlberges fast bis St. Christoph ist dieselbe in ihrer ganzen Breite vollkommen aper ( schneefrei), von St. Christoph beinahe bis Rauz an einigen Stellen ebenfalls gänzlich frei. In größeren Partien dieser Strecke liegt jedoch bergseitig noch bedeutend Schnee. Von Rauz bis Stuben und Langen ist sie wieder vollkommen aper. Die Steigung ist bekanntlich von Stuben bis Rauz am bedeutendsten, von Rauz bis zur Landesgrenze ziemlich mäßig, von da bis zur Passhöhe etwas stärker. Daun fällt die iLtraße bis St. Christoph, während sie bis zum Kalteneck ein kaum merkliches Gefälle hat. Von hier bis zur Bahnübersetzung in St. Anton fällt es ununterbrochen. Die Witterung hat sich wesentlich gebessert. Auch in St. Christoph war es gestern und heute angenehm warm.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. Juni 1902, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7004-vorbereitungen-zur-automobilfahrt-paris-wien-auf-dem-arlberg-1902).

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