Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
PRADL WILL ZU INNSBRUCK

Bericht über die Verhandlungen zur Einbeziehung Pradls in das Stadtgebiet Innsbruck

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. Juni 1902 · Seite 6 · #Stadtteile von Innsbruck
Der Herr Bürgermeister gibt sodann eine kurze Darstellung des gegenwärtigen Standes der Verhandlungen betreff, die Einverleibung Pradls mit Innsbruck. In der vorletzten Sitzung des Innsbrucker Gemeinderathes wurde ein eigenes Comits gewählt,welches sich mildem vom Gemeindeausschuss in Pradl aufgestellten Comito ins Einvernehmen setzen sollte, um diejenigen Punkte zu besprechen, welche nothwendig vorbesprochen werden müssen, um die Einbeziehung der Fraction Pradl in ' das Stadtgebiet von Innsbruck vorzubereiten. Nachdem verschiedene Zeitungsartikel über diese Vereinigungsfrage erschienen sind, glaubt der Bürgermeister dem Gemeinderäthe einen Bericht über die Thätigkeit des von ihm gewählten Comites schuldig zu sein. Das Comite hat zweimal, am 20. Mai und am 9. Juni, im Vereine mit den Pradler Vertrauensmännern Sitzungen abgehalten. In diesen wurden alle jene Punkte erörtert und besprochen, welche von Wichtigkeit sind und zur Vorbereitung der Einverleibung Pradls mit Innsbruck zweckdienlich erschienen. In Pradl wurde am 15. ds. Ms. eine Bürgerversammlung abgehalten und in dieser wurde den Steuerträgern von Pradl die Frage vorgelegt, ob sie sich mit der Einbeziehung von Pradl ins Stadtgebiet einverstanden erklären oder nicht. Bei der Abstimmung haben sich mehr als zwei Drittel für die Einbeziehung ausgesprochen und bei der Gegenprobe, welche der Vorsitzende veranlasste, erhob sich nur eine Stimme dagegen. Nachdem diese principielle Frage entschieden war, ist der Versuch gemacht worden, in eine detaillierte Besprechung jener Punkte einzugehen, welche zwischen den beiden Comites vereinbart worden sind, und da hat es sich eben gezeigt, dass es nicht gut möglich ist, in einer großen Versammlung derartige Punkte zu berathen,da einzelne der Anwesenden diese Punkte vom Standpunkte des persönlichen Interesses besprochen haben. Die Hausbesitzer waren namentlich dafür, die Zuschläge zur Hauszinssteuer hinauszuschieben, die Metzger und Wirte traten für Erleichterungen hinsichtlich der städtischen Aufschlaggebüren ein. Jeder fasste die Angelegenheit so auf, dass er seine Interessen möglichst schützen und jene anderer möglichst preisgeben wollte, weil sie ihm nicht so nahe liegen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. Juni 1902, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7008-bericht-ueber-die-verhandlungen-zur-einbeziehung-pradls-in-das-1902).

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