würde, so bleibt nichts anderes übrig, als dieselbe, -wie die meisten Lokalbahnen in Österreich, in finanzieller Beziehung auf Stamm und Prioritäts - Aktien zu fundieren. Die Stamm - Aktien müßten vom Staate, vom Lande und den Gemeinden, die Prioritäts - Aktien von den Interessenten gezeichnet werden. Da nun das nötige Baukapital für die Mittenwalder - Bahn 12 — 15 Millionen Kronen beträgt, so rst es sehr schwer, die Prioritäts - Aktien günstig unter- Mbrinaen, wenn die Regierung nicht die Zinsen- Karantte für dieselben übernimmt. Heuer war es noch nicht möglich, eine diesbezügliche Vorlage vor den Landtag zu bringen; sie würde unter den obwast,enden Verhältnissen im tirolischen Ständehause srkch nicht zur Erledigung gekommen sein. Der Bürgermeister weist sodann nach, daß die Mittenwalder Bahn keineswegs nur für Innsbruck allein von Interesse ist, wie man dies gerne hinstelleu möchte, sondern daß sie von hervorragender Wichtigkeit für das ganze Land, auch für Südtirol, ist. Auch das Oberiuntal wird seine bedeutenden Vorteile von der Mittenwalder Bahn haben. Der steigende Fremdenverkehr in Tirol ruft nach einer zweiten Verbindung unseres Landes mit Süddeutschland. Bürgermeister Greil erklärt sich keineswegs als Gegner der Fernbahn, wenn uns auch die Mittenwalder Bahn näher liegt, als diese. Er befürchtet aber, daß wenn Mittenwalder und Fernbahn von der Regierung verlangt werden, keine von beiden gebaut wird. Die Regierung wird vielleicht warten, bis man sich in Tirol geeinigt hat und wir werden ohne Bahn sei. In Rücksicht auf die Notwendigkeit, daß zur Förderung des Mittenwalder Bahnprojektes ein weiterer Schritt getan werden muß, hat sich die Finanzsektion eingehend mit dieser Frage beschäftigt und ist zu dem Beschlüsse gekommen, dem Gemeinderate den Antrag vorzulegen, dieStadtJnnsbruck wolle für den Bau der Mittenwalder Bahn einen Betrag von einer Million Kronen in Stammaktien zeichnen und zwar unter der Bedingung, daß seitens des Staates für die Prioritätsaktien eine Iprozent. Zinsengarantie geleistet wird. Die Debatte, welche über diesen Antrag geführt wurde, zeugte von der einstimmigen Bereitwilligkeit des Gemeinderates, für das Bahnprojekt erhebliche Opfer zu bringen. GR. Wopfner ist selbstverständlich für den Bur der Bahn. Er erachtet sich jedoch als Mitglied der Finanz - Sektion für verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen, daß diese Beilragsleistung der Stadt ein jährliches Opfer von 20. 000 — 25. 000 L erheischt, welches natürlich durch Umlagen hereingebracht werden muß, so daß dieselben erhöht werden müssen. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die bekannte Wohltäterin der Stadt auch in diesem Falle helfend unter die Arme greife. GR. Reden bemerkt, daß viele und kleinere Gemeinden in Tirol noch höhere Umlagen haben als wir. Man möge sich nicht schrecken lassen, die Mittenwalder Bahn sei ein Opfer wohl wert. GR - Zösmayr betont, daß etwas geschehen müsse, um das weitere Aufblühen unserer Stadt zu fördern. Die Opfer, welche wir jetzt bringen, werden sich in der Zukunft reichlich verzinsen. Er begrüßt es dankbar, daß sich die Finanz - Section zu diesem Antrag aufgeschwuckgen hat. GR. Landsee weist auf die ganz bedeutende Konkurrenz hin, welche uns aus der Tauernbahn, aus der Simplonbahn und schließlich aus der Fernbahn in Verbindung mit der Vinschgauer Bahn erwachsen werde. Er führt Trient als Beispiel an, welches für die Localbahnen Welschtirols so hervorragende Opfer bringt. GR. Sonvico äußert sich dahin, daß wohl niemand, der an die Verwirklichung des Projektes denkt, glauben wird, es gehe ohne Opfer ab Redner wünschte, daß, um den Stamm - Aktien für spätere Zeit einen Vorteil zu wahren, allstatt der Prioritäts - Aktien staatlich garantierte Prioritäts - Obligationen ausgegeben werden sollen. Der Antrag der Finanz - Sektion wurde sodann einstimmig angenommen und eine Million Kronen an Stammaktien für die Mittenwalder Bahn gezeichnet.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 24. Juli 1902, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7035-beschluss-der-finanzsektion-innsbruck-zeichnet-eine-million-kronen-1902).
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