Es gibt wenige Bibliotheken, die so reich an Inkunabeln sind, wie sie, und es befindet sich unter diesen Inkunabeln als besondAe Kostbarkeit äuch der erste Druck, der überhaupt aus bedenkt, welche Erfolge die Elektrotherapie seit der kurzen Zeit ihres Entstehens schon zu verzeichnen hat. Vor allem anderen ist es das elektrische Lichtbad, nach Art eines Kastendampfbades hergestellt, von innen mit Spiegeln ausgekleidet und mit 60 Glühlichtern versehen, welches das Interesse beansprucht. Die Temperatur wird in demselben, langsam ansteigend, bis zu einer Höhe von 700 R. gebracht und wirkt das Bad daher wie ein Schwitzbad, ist also bei allen Formen von Rheumatismus und Nervenkrankheiten, sowie auch bei Zuckerkrankheit, Nierenleiden, Blutarmut, Fettleibigkeit^ Asthma rc. gut einzuwirken imstande. Da jedeff Bad unter ärztlicher Kontrolle gegeben wird, sind Unfälle nicht leicht möglich. Die Kastendampfbäder haben ja den Vorzug vor den allgemeine^ Dampfbädern, daß der Kopf nicht dem Damp - ^ und der Hitze ausgesetzt wird, daher dem Körper stets frische Luft zugchührt werden kann und die Einwirkung auf Lunge, Herz und Gehirn nicht allzustark ist. Im gleichen Kabinett ist auch für anderweitige elektrische Kuren vorgesorgt. Sehr interessant ist der mittels Elektrizität in Bewegung zu setzende Vibrations - Massage - Apparat, mit dessen Instrumenten eine viel stärkere und eingehendere Massage erzielt werden kann, als bei Handmassage. Die dazugehörigen Instrumente ermöglichen auch eigene Massage für Unterleib, Kehlkopf, Herz, Magen rc. Im zweiten Zimmer befindet sich die Badeeinrichtung, in welchem die Abkühlungsbäder nach dem elektrischen Lichtbade, sowie alle anderen Arten von warmen und kalten Bädern und Douchen zu haben sind; ebenso ist darin für einen Dampfkasten vorgesorgt, in welchem auch Heublumen und Fichtennadeln - Dämpfe verabreicht werden können. Anschließend daran befinden sich kleine Ankleidungsräume. In einem andern Zimmer ist der Bogenlichtreflektor für die blaue Bestrahlung mit dem dazugehörigen Stativ aufgestellt, wobei die blauen Strahlen auf die erkrankten Teile des Körpers gerichtet werden und gute Heilerfolge erzielen. Der größte Raum ist für die Heilgymnastik bestimmt und stellt sich als vollständig eingerichtetes orthopädisches Turnzimmer dar, in welchem die für schwedische Heilgymnastik und orthopädische Übungen notwendigen Geräte untergebracht sind.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. November 1902, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7102-neue-elektrische-heilmethoden-in-einer-modernen-anstalt-beschrieben-1902).
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