Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
SCHÖNERER UND SCHKALKE IN INNSBRUCK

Rednerische Beiträge und Dankesresolution bei Versammlung der Alldeutschen Vereinigung

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 5. Februar 1903 · Seite 3
wieder Verwahrung dagegen einlegen. Mit dieser Aufforderung schloß Abg. Schönerer nach fast dreistündiger Rede seine Ausführungen, von minutenlangem Beifall belohnt. Als zweiter Redner ergriff Dr. Schalk das Wort. Er wandte sich in erster Linie gegen die bekannte Entschließung der Südtiroler Alldeutschen, der Versammlung fernzubleiben, und entwarf anknüpsend daran ein schmeichelhaftes Charakterbild Schönerers. Gleich diesem kam er auch auf däZ moderne Schlagwort „Realpolitik" zu sprechen. Er wisse nicht, ob es Realpolitik sei, daß sich Dr. Erler letzthin bei der Ausweisung der Zuckerbarone aus dem Parlament so sehr beteiligte, oder ob es Realpolitik sei, daß die deutsche Volkspartei jetzt auf einmal so eifrig für die Geschäftsordnungsreform ist. Aus die deutsche Volkspartei näher eingehend, sagte Dr. Schalk, daß deren Antisemitismus und Antiklerikalismus nicht echt seien. Die Volkspartei sei aus Leuten entstanden, die sich nicht liberal nennen wollten und zu feig waren, sich als alldeutsch zu bekennen. Das Pfingstprogramm sei ein Programm der Negation. Politik sei die Fernsicht des Interesses; in diesem Sinne seien Schönerer und seine Anhänger Realpolitiker. Sie werden stets an der Forderung einer bundesrechtlichen Zusammengehörigkeit von Deutschland und Deutschösterreich sesthalten. In Kürze referierte Dr. Schalk sodann noch über die Ausgleichsfrage. Der Ausgleich sei nichts anderes als eine zielbewußte Ausbeutung Österreichs. Seinerzeit seien alle Abgeordneten, sogar Dr. v. Grabmayr, dagegen gewesen, und jetzt, wo es zu handeln gilt, schweigen sie auf einmal. Als gutes Zeichen könne es in solcher Zeit gelten, daß sich " die Handelskammer in Innsbruck zu einer Gegenkundgebung aufraffte. Es sei tatsächlich hoch an der Zeit, daß zwischen Österreich und Ungarn statt des Ausgleiches die Personal - Union trete, damit nicht der König von Ungarn fortwährend den Kaiser von - Österreich beherrsche. Zum Schluß appellierte Dr. Schalk an alle Anwesenden, ihr Schärflein zur Schaffung von All - Deutschland beizutragen. Seiner Rede folgten lebhafte Heilrufe und reicher Beifall. Hierauf wurde eine Resolution angenommen, in welcher den Abg. Schönerer und Dr. Schalk, sowie der Alldeutschen Vereinigung Dank und Vertrauen votiert wurden. Um halb 1 Uhr erfolgte der Schluß der Versammlung.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 5. Februar 1903, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7172-rednerische-beitraege-und-dankesresolution-bei-versammlung-der-1903).

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