Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WUTKRAHNKE HUNDE TRINKEN GERN

Aufklärung über die Tollwut bei Hunden und ihre Gefahr für den Menschen

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 13. August 1904 · Seite 19 · #Tollwut
( N. Fr. Pr.) Etwas über die Hundekrankheitett, die auf den Menschen übertragbar sind. Von Richard Strohschneider Stadt - Tierarzt in Innsbruck. In einer so hundereichen Stadt wie Innsbruck dürste die Behandlung dieses Gegenstandes gewiß am Platze sein, und Manchem willkommene Aufklärungen bringen. Die gefährlichste Krankheit der Hunde ist jedenfalls die Tollwut. Aber über keine Tierkrankheit sind so abenteuerliche Ansichten in Laienkreisen verbreitet, wie gerade über die Hmrdswut. Nach der Volksmeinung lausen wütende Hunde mit eingezogenem Schweis immer schnurgerade ihres Weges. Ihre Augen sind stark gerötet und es fließt ihnen Geifer und weißer Schaum aus dem Maule, namentlich aber haben sie eine große Scheu vor jeglichem Wasser. Diese Ansicht ist ganz falsch. Wutkranke Hunde saufen oft begierig Wasser; auch durchschwimmen sie ohne Bedenken Bäche und Flüsse. Was aber die eigentlichen Erscheinungen der Hundswut betrifft, so könne diese sehr gering sein, so insbesondere bei der sogenannten „stillen Wut ". Der Hund zeigt nichts weiter, als ein geändertes Benehmen; er ist in verdrießlicher Stimmung, nervös und verkriecht sich gern. Andere Hunde sind im ersten Stadium der Hundswut dagegen oft sogar auffallend freundlich und zutraulich. Sehr bedenklich ist das Auftreten einer eigentümlichen Geschmacksveränderung. Die Hunde verschmähen ihr gewöhnliches Futter, fressen Stroh, Erde, benagen Holz, Decken und zupfen an den Teppichen. Dabei sind sie stark verstopft und zeigen zuweilen leichte Schlingkrämpfe. Tritt nun plötzlich! eine Lähmung des Unterkiefers ein, so ist das Vorhandensein der „ stillen Hundswut" so gut wie sichergestellt. Bei der „ rasenden Wut " befällt die Hunde zuerst ein unwiderstehlicher Drang Zum Entweichen, dann stellt sich eine verschiedengradige Beißsucht ein. Manche Hunde schnappen nur gelegentlich, andere beißen in sinnloser Wut in alles, was ihnen in den Weg kömmt. Sie beißen selbst in vorgehaltene Eisen stau gen, und zwar mit solcher Gewalt, daß ihnen die Zähne absplittern, oder in glühende K ' ohlenstücke; ihren eigenen Herrn fallen sie auch an allerdings meist nur nach vorhergegangener Bestrafung. An vereinzelten Fällen ist es jedoch vorgewm men, daß gutdressierte, wutkranke Hunde den Befehle » ihres Herr » bis zum Augenblick ihr« Todes getreulich » achkamen. Über die Ursachen der Wut sind wir heute noch rm Unklaren. Das. Volk glaubt immer noch an ern Entstehen der HundSwut durch ungefüllten Geschlechtstrieb, oder durch längeres Hungern oder Durstleiden. Auch dies ist falsch. Die Hundswut entsteht und wird weiter verbreitet immer nur durch den Biß eines bereits wütenden
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 13. August 1904, S. 19, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7539-aufklaerung-ueber-die-tollwut-bei-hunden-und-ihre-gefahr-fuer-den-1904).

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