Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
MODE INNUNG AUF PAPIER

Zwei historische Meisterbücher der Innsbrucker Schneiderinnung im Ferdinandeum aufbewahrt

Zwei illustrierte Innsbrucker Mode journale. (Aus Innsbrucks Vergangenheit.) Vo n A. Sikora. Ja, so etwas gabs in Innsbruck auch einmal! Freilich darf man sich darunter nicht solche Zeitschriften wie die heutige „ Wiener Mode" wer ähnliches, überhaupt keine Zeitschrift im modernen Sinne vorstellen; nur zweimal sind solche herausgegeben worden, und da wahrscheinlich nur in je einen: Exemplar, die nun im Ferdinandeum aufbewahrt sind. Ich? rede von den sogenannten Stück oder Meisterbüchern der Schneider - Innung von Innsbruck aus den Jahren 1691 und 1779, die mir zufällig untergekommen sind, und welche die Mühe lohnen, einige Worte darüber zu sprechen, nicht nur, weil man daraus einen ziemlich « guten Einblick in die Verhältnisse des Handwerks, speziell der Schneiderei, gewinnt, sondern weil sie auch von kulturhistorischem Interesse sind. Als erstes Meisterbnch dieser Art fand ich unter den Dokumenten der hiesigen Schneiderinnung eures von 1545, fein säuberlich auf Pergament geschrieben und in Pergamentumschlag. Darin ist nun u. a. genau geschildert, wie die Kleider für die verschiedenen Stände ailssehen müssen, welche Maße an Stoff verwendet werden sollen, nebst einigen anderen, für den, der Meister in seinem Handwerk werden wollte, wichtigen Bemerkungen. Am ausführlichsten ist wohl das Meisterbuch, das in den Privilegienbrief Maria Theresias vom 11. Februar 1745 ausgenommen wurde. Da sind außer den Beschreibungen geistliche ^ Gewänder noch die eines Rockes „ für Fürsten oder Grafen ", einer „ Renn und Stechdeckhen ", eines „Renn und Stech - Rockes ", eines Unterkleides unter dem Küraß, eines Ballanzuges aus silber und goldverziertem Atlas für einen Fürsten, eines Hochzeitskleides. für « eine Fürstin — das nicht so wie heute aussah, sondern aus „ silbern Tuch " und „ rothern Carmesin - Atlas " gemacht wurde ^ — dort Neidern für Bürger u. > s. jv. Weniger umfangreich ist das Buch von 1648, welches der Bestätigung der Rechte der Schneider - Innung durch Erzherzog Ferdinand Karl beigefügt ist. Aber alle diese angeführten Bücher enthalten nur die Beschreibungen, bei denen wohl gewissenhaft die Zahl der Ellen angegeben ist, aus denen. man sich aber doch keine klare Vorstellung der damaligen Trachten bilden kann.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 6. September 1904, S. 1, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7557-zwei-historische-meisterbuecher-der-innsbrucker-schneiderinnung-im-1904).

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