Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KARAWANEN IM NAMEN DES BETTELNS

Fortbestehen des Merheiligenbettel in Hall trotz Einstellung des Freitagbettel

( „ Der All er heilig enbettel ".) Aus Hall schreibt man uns: Der Freitagbettel in Hall, wo die Stadtarmen von Haus zu Haus zogen, wurde vor einigen Jahren durch einen Gemeinderatsbeschluß eingestellt. Fortbestehen blieb aber der alte, sogenannte „ Merheiligenbettel ", welcher von Hall seinen Ausgang nimmt, 14 Tage andauert und sich über die Landgemeinden des Gerichtsbezirkes Hall dies und jenseits des Inns erstreckt. Es werden ganze Bettlerkarawanen gebildet, alte Männer und Weiber sind die Führer derselben, und den Schluß bildet eine Schar zumeist noch schulpflichtiger Kinder. Das ziemlich einträgliche Geschäft beginnt schon beim Morgengrauen und dauert bis zum Abend. Auf dem Heimweg geraten nicht selten die Karawanen miteinander in Streit und Rauferei. Die Einstellung dieses Gewohnheitsbettels wäre schon längst geboten.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Oktober 1905, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/7881-fortbestehen-des-merheiligenbettel-in-hall-trotz-einstellung-des-1905).

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