Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
BAYERN ERKLICKEN DIE KUFSTEINER MAUERN

Enthüllung einer Gedenktafel an der Feste Kufstein zur Erinnerung an die bayerische Erstürmung von 1703

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 21. Juli 1906 · Seite 5 · #Burgen und Schlösser
(Eine Gedenktafel auf der Feste Kufstein.) Zur Ehrung und bleibenden Erinnerung an die Kriegstaten des bayerischen Heeres wurde gestern auf der Feste Kufstein eine Gedenktafel enthüllt, welche von Major. Max Schlagintweit ( München) gestiftet wurde. Vor drei Jahren erschien von Schlagintweit ( iw Verlage der Lindauerschen Buchhandlung in München) eine eingehende militärische Abhandlung über „ Kufsteins Kriegsjahre ", die speziell zur Erinnerung an die 200jährige Wiederkehr der Erstürmung der tirolischen Grenzsperre durch die Bayern unter Kurfürst Emanuel verfaßt wurde und diese Episode mit Beigabe genauer Pläne behandelt. Max Emanuel lag bereits zwei Tage mit 2000 Mann vor Kufsteins Mauern; die Stadt war eingenommen, aber die mächtigen Schloßbefestigungen schienen sich nur mit Hilfe schwerer Geschütze bezwingen zu lassen. Schon wollte man sich zu einer längeren Beschießung einrichten, als am 20. Juli eine ' Rekognoszierung des Schloßfelsens die Möglichkeit eines Überfalles ergab, zu dessen Ausführung bereits mittags am gleichen Tage geschritten wurde. Das kühne Unternehmen gelang glänzend — die ganze 200 Mann starke Schloßbesatzung war mit ihrem Kommandanten in wenigen Minuten in den Händen der Bayern. Schlagintweit setzte es sich zur Aufgabe, die Stelle ausfindig zu machen, an welcher die Erkletterung des Felsens durch die Sturmkolonne erfolgt sein mußte und fand aus Grund eingehender Rekognoszierungen L att Ort und Stelle, daß der Einstieg der Bayern in die damals ausgebrannte Wachstube im oberen Torgehäuse neben dem Bürgerturm geschah. — Die Gedenktafel — eine große Märmorplatte ist in der Poterne des Schloßaufganges, da wo die Wachstube ihren Ausgang hat, angebracht und trägt folgende Inschrift: „ Einbruchstelle der Bayern 1703, 20. Juli. Die Aufstiegstelle der Sturmabteilung, 4 Offiziere und 50 Grenadiere unter Führung des Genie - Majors Tardif, ist an der Außenseite des Schloßfelsens durch ein blaues Kreuz bezeichnet und kann vom FestungsLor aus erschaut werden.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 21. Juli 1906, S. 5, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8017-enthuellung-einer-gedenktafel-an-der-feste-kufstein-zur-erinnerung-1906).

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