Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
ZUGSPIZBAHN MIT TUNNELN UND SEILBAHNEN

Wiederaufnahme des Verkehrs auf der Strecke Pfronten–Reutte und neues Projekt einer Zugspitzbahn

(WiederaufnahmedesBerkehrs.) Die k. k. Staatsbahndirektion Innsbruck ersucht uns bekcmnrzugeben, daß am 26. Februar mit Zug Nr. 5 der Gesamtverkehr in der Strecke Pfronten — Reutte wieder ausgenommen wurde. (Das Projekt einer Zugspitzbahn) ist neuerdings aufgetaucht und, wie man uns schreibt, in einer großen, vom Münchner Fremdenverkehrsverein in Garmisch - Partenkirchen abgehaltenen Wanderversammlung von Apotheker Byschl - Garmisch besprochen worden. Es handelt sich um ein neues verbessertes Projekt des Ingenieurs Adolf Müller ( Dresden - Blasewitz), das sich in eine Tal und eine Bergbahn scheidet. Die erstere würde als Adhäsionsbahn von Garmisch zum Bader und Eibsee auf die Höhe von 1020 Metern geführt. Von dort begänne eine Seilbahnstrecke, durch welche der halbe Weg gespart und eine Höchststeigung von 666 6 Meter pro Mille überwunden werden kann. Der erste Teil dieser Seilbahnstrecke führt auf die 1820 Meter hohe Riffel, wo eine Hotelanlage und später die Errichtung einer Höhenluftkurstation geplant ist. Ms dorthin sind ein Viadukt und einige über hundert Meter lange Tunnels vorgesehen; von der Riffel ab wird die Bahn noch eine kurze Strecke im Freien fortführen und dann Ln einem Tunnel aus die Südseite des Berges bis zur Höhe von 2800 Meter geführt werden. Von da an sind dann nur mehr 160 Meter zum Gipfel. Die Ausmündung erfolgt auf ein gegen die Nordwinde geschütztes Plateau, das ebenfalls eine Bananlage ermöglicht. Die Führung der zweiten Seilstrecke im Tunnel bietet den Vorteil, daß der Bahnbetrieb gegen Steinschlag, Lawinengefahr und die Wetterunbilden, namentlich auch frühen und späten Schneefall geschützt ist. Die Gesamtstrecke mißt etwa 16 Kilometer, die Anlagekosten sind auf etwa 4 Millionen Mark bemessen, die Betriebskosten sind mit jährlich 120. 000 Mark veranschlagt. Me Frequenz wird unzweifelhaft sehr lebhaft sein, wenn die geplanten Bahnen nach Mittenwald und Garmisch — Reutte, bezw. Innsbruck erst durchgeführt sein werden und die Bahn damit Fremdenzufluß nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem Nachbarland Österreich bezw. der Schweiz erhalten wird. Auch bei nicht zu optimistischen Voraussetzungen darf man unter solchen Verhältnissen eine Verzinsung der Anlage auf wenigstens 4 Prozent erwarten. Me Versammlung nahm das Referat mit begeistertem Beifall auf und faßte eine Resolution, des Inhalts, daß sie die Herstellung einer Zugspitzbahn einmütig befürwortet,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. Februar 1907, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8148-wiederaufnahme-des-verkehrs-auf-der-strecke-pfronten-reutte-und-1907).

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