Seite 2 Nr. 95. JunWrucker NachrMM Nachtzügen aller ' Art an Tirol angeschlossen. Es kann jetzt einerseits seine Bedürfnisse schneller, besser und billiger beziehen, andererseits seine Produkte leichter und reichlicher absetzen. Dazu kommen die verschiedenen telegraphischen Anschlüsse, und der Telephonverkehr wird auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Mit Hilfe der Ärlbergbahn ist man von Bregenz ebenso schnell, ja teilweise schneller in Innsbruck als vom Pustertal, Bozen, Meran, Vinschgau, nicht zu reden von Welschtirol aus. Ja, man ist sogar früher in Innsbruck beim Statthalter, als von manchen Orten Montafons, der Walsertäler und des Bregenzerwaldes in Bregenz beim künftigen „ Landespräsidenten ". Zuteilung und Erledigung der Geschäfte kann sich, wenn man will, nach und von Innsbruck ebensoschnell vollziehen, als von den eigenen Landesstellen Vorarlbergs aus, den Landesausschuß nicht Nusgenommen. Und wieviel bleibt denn von solchen Geschäften übrig, nachdem Vorarlberg ( abgesehen vorn Generalvikariat) Reaiermrgsvertreter, Landtag, Landesausschuß, Lau? oesschulrat, Kreisgericht, Finanzbezirksdirektion u. s. w. sein Eigen nennt? In Kleiners historischer rc. Begründung lesen wir Nus einem Promemoria von 1859: „Zwischen Tirol und Vorarlberg hat die Natur den bis in die Wolken reichenden Arlberg als Grenzscheide aufgerichtet ". Mich wundert, daß man nach fast einem halben Jahrhundert, und gänzlich veränderten Verhältnissen eine solche Übertreibung angesichts von Bahn, Tunnel und bei so hoher Entwicklung von Alpinismus und Touristik noch herbeiziehen mag. Wer ist denn heute gezwungen, über den Arlberg zu gehen? Mer wer ist nicht imstande, die höchstens 500 bis 600 Meter betragende Steigung von St. Anton oder Langen aus und den schönen Spaziergang von drei Stunden über den Berg zu machen? Gab es je eine Zeit vor und nach dem Konstanzer Konzil, wo der Berg selbst begangener war als heute? Hat nicht der Landeshauptmann von Vorarlberg selbst sich für die Wiederaufrichtung des St. ChristochHospizes auf Tiroler Seite erfolgreich eingelegt, spendet nicht her Landesausschuß seinen jährlichen Beitrag zur Erhaltung desselben? Was entwickelte sich infolge dessen und der Erbauung der Ulmerhütte seitdem für ein Wintersport? Selbst den Automobinsmus geniert bekanntlich der Berg nicht im geringsten. Auch das Zeinisjoch ist kein bedeutendes Verkehrshindernis, und im Norden verbindet der Lech den vorarlbergischen Tannberg geradezu mit Tirol. Er und die Breitach aus dem kleinen Walsertal gehen ebenso der Donau zu, wie der Inn aus Tirol. Die Besiedlung Vorarlbergs erfolgte in alter Zeit allerdings aus dem Norden, aber es kamen auch eine Menge Bewohner vom Süden und Osten; Römer, Walser und ' Welsche. Die Bevölkerung Vorarlbergs ist gerade so gemischt wie in Tirol. Der Urstock keltisch römisch. Die daranffolgerlden deutschen Alamannen in Vorarlberg und Bajuvaren in Tirol sind nicht so verschiedenen Stammes, wie man gewöhnlich annimmt. Sie sind einfach Brüder des großen Suevenvolkes, von dem der Name Schwaben kommt, und standen sich in der Geschichte nie ernstlich: feindlich gegenüber; ebensowenig wie Tiroler und Vorarlberger. Im Jahre 1809 zum Beispiel waren diese beiden geradezu ein Herz und eine Seele und halfen einander auch treulich aus. Mer ein so massenhafter und freundschaftlicher Verkehr zwischen beiden Teilen wie heutzutage hat bisher noch nie stattgesunden. Von Tirol strömt man zahlreicher als je bis zu den reizenden Gestaden des schwäbischen Meeres hinaus, und die Vorarlberger machen mit Vorliebe ihre Hochzeitsreisen nach Innsbruck herein. Was für ein Hin und Herwogen wird erst im heurigen Sommer zu den verschiedenen Festversammlungen ftattfinden! Selbst der Herr Landeshauptmann von Vorarlberg ist mit Innsbruck und seiner Umgebung durch die verschiedensten Bande verknüpft. Will er in Zukunft
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. April 1907, S. 3, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8178-zunehmende-verbindung-zwischen-tirol-und-vorarlberg-durch-bahn-1907).
(Eine freiwillige Rettungsgesellschaft in Innsbruck.) In der gestern abgehaltenen Hauptversammlung der Innsbrucker Feuerwehr kam ein Entwurf zur Gründung einer freiwilligen Rettungsgesellschaft zur Beratung. Dieser Entwu …
(Auch die Hebammen.) Wie aus unserem heutigen Inseratenteil ersichtlich ist, haben nunmehr auch die Hebammen von Innsbruck, WiLten, Pradl, St. Nikolaus und Hötting eine Preissteigerung für ihre Mühewaltung eintreten Lass …
(Der Kampf um die Krankenkassa.) Seit einiger Zeit finden wir an allen Bauplätzen folgendes angeschlagen: „ Bauarbeiter! Gewissenlose Ausbeutung von Seite der sich krank Meldenden hat unsere Kasse in den Fahren 1905 und …
Seite 17. Versorgung erwerbsunfähiger Arbeiter. Auf der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung stand u. a. auch die Beratung eines von der Wohlfahrtssektion ( Referent Gemeinderat Thurner) vorgelegten „ Statutes fü …
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