Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
VIEHVERSICHERUNG MIT LANDESRÜCKEN

Gründung der Landesviehversicherungsanstalt mit Beginn am 1. November 1907

Die Landes - Viehverficherungs- Anstalt. In einem Lande, in welchem die Viehzucht die erste und wichtigste Einnahmsquelle der landwirtschaftlichen Bevölkerung bildet, ist eine auf sicheren Grundlagen errichtete Biehversicherung von hervorragender Bedeutung, und einige Länder find uns schon mir der Gründung von LandesviehversicherungsanstalLen vorangegangen. Bereits seit Jahren beschäftigten sich der Landeskulturrat < von Tirol und der Tiroler Landtag mit der für unser Alpenland so wichtigen Angelegenheit einer allgemeinen Viehversichernng auf Grundlage der Orts - Viehversicherungsvereine, die in vielen Gemeinden des Landes seil mehreren Jahrzehnten ihre Wirksamkeit entfalten. Der Landesausfchuß hat nun in seiner letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, mit der TLVtigkeit der Landesviehversicherungsanstalt am 1. November 1907 zu beginnen und den Landesbeamten Andrä Bachmann, welchem die Vorarbeiten für die Durchführung der Landesviehversicherung übertragen wurden, provisorisch mit der Leitung der Anstalt zu betrauen. Der Landes - Viehversicherungsanstalt fällt vor vor allem die Aufgabe zu, den Bestand der kleinen, örtlichen Viehversicherungsbereine auch in Unglücksjahren zu sichern, indem diese durch Erteilung von Zuschüssen aus Landesmitteln einen finanziellen Rückhalt erhalten. Dadurch wird es möglich, daß die Beitragsleistnngen der Mitglieder auch in schadensreichen Jahren tunlichst niedrig gehalten werden können, so daß auch die mittleren und kleinen Viehbesitzer an einer solchen Viehversicherung teilnehmen können. Die Erleichterung der Schadenszahlungen und die Unterstützung der örtlichen Viehversicherungsvereine geschieht in der Weise, daß die Landesänstalt statutengemäß die Verpflichtung übernimmt, die von den Vereinen ( nach Abzug des Erlöses für die umgestandenen oder notgeschlachteten Tiere) a * r die Versicherten zu leistenden Entschädigungen zur Hälfte zu tragen. Die Auszahlung des ganzen Schadens erfolgt vorschußweise durch die Anstalt gegen Abrechxnung am Schluffe des Geschäftsjahres. Als Gegenleistung haben die Vereine die Hälfte der von ihnen eingehobenen Prämien an die Allst alt abMühren. Durch diese vorschußweise Schadensleistung kann den einzelnen Versichevten bei Schadensfällen rasch Hilfe verschafft werden, damit sie gleich als Ersatz für das! umgestandene oder notgeschlachtete Viehstück ein anderes Stück kaufen oder einstellen können, ein Vorteil, wie ihn Ortsvereine allein in ähnlicher Art niemals zu bieten in der Lage sind.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 7. November 1907, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8279-gruendung-der-landesviehversicherungsanstalt-mit-beginn-am-1-1907).

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