(Vom Schlosse Mentelberg.) Keine Überlieserung bietet vielleicht so sehr ein Bild vor; der Wandelbarkeit alles Irdischen, wie die Geschichte der alten Schlösser unseres Heimatlandes. Einst Eigentum mächtiger und gefürchteter Dynasten, verfielen sie, als der be -. sitzende Landadel zum Beamtenadel wurde und in die Städte zog, immer mehr, bis sie zuletzt! als halbe Ruinen in den Besitz von Bauern kamen, deren Urväter vielleicht bei Erbauung derselben robotteten und schanzten. Manchen davon ward allerdings wieder das L ps, von der Bauernhand weg abermals in die Hand eines Aristokraten überzugehen und verjüngt neue Tage des Glanzes zu erleben. Ein solches Schloß ist auch unser prächtig gelegenes Mentelberg. Von 1440 bis 1493 Eigentum des Stiftes Mitten, kam dasselbe bis 1528 in den Besitz eines Heinrich von Mantelberg, dein dann ein Zott von Berneck 1529 bis 1572 folgte. Heidenreich von Sidenegg 1572 bis 1622 und die Herren von Kiebach hausten daraus bis 1660. Ihr Nachfolger, freilich nur ein Jahr, 1660 bis 1661, war jener Freiherr voll Girardi, der, ein Todfeind Bienners, die Hauptschuld an dessen Hinrichtung trug, wofür er auch — nach der Meinung des Volkes — voll Gott dadurch gestraft wurde, daß er aus der Treppe zur Schloßkapelle ausglitt und sich das Genick brach. Nun, von 1661 ab, durch volle 200 Jahre in bäuerlichem Besitzt erwarb es endlich 1861 abermals ein Adeliger, der Graf Spaur, von dem es dann in die Hand des gegenwärtigen Besitzers, des Herzogs von ALenyon, überging, welcher es als SomMeraufenthalt benützt. Für diesen Zweck wurde es vollkommen neu adaptiert, ja vor zwei Jahren im Stile normannischer Schlösser geradezu umgebaut, wobei eine Menge neuer Räumlichkeiten gewonnen wurde, welche nun nach und nach mit Vertäfelungen rc. ausgestattet werden. So ward soeben von der hiesigen Firma Josef und Camillo Petrowitsch ein Speisesaal vollendet, der in seiner geschmackvollen Gediegenheit all die besten Zeiten der deutschen Renaissance gemahnt, und was Sauberheit der Arbeit anlangt, kaum zu übertreffen ist. Ms Material wurde deutsche Eiche gewählt, deren warmgelbes Holz außerordentlich gut mit der graugrünen Tapete der oberen Wandteile zusammengeht. Ter mittlere Teil der Decke, durch zwei Träger begrenzt, ist reicher kassetiert als die Seitenteile, die ebenfalls wieder durch Träger gehalten werden, als deren Konsolen die Wappen der einstigen adeligen Besitzer des Schlosses, von dwen oben die Rede ging, erschienen. Das mannshohe Wandgetäsel wird an der Linken Schmalseite des Saales von einem prächtigen Kamine unterbrochen, über dem nach seiner Vollendung das Bild des Herzogs erscheinen soll. Von den Türen ist die zum TurMziMmer mit prächtigem Jntarsienschmuck versehen, während die Halbsäulen des Türstockes reiche Schnitzereien aufweisen. Die Beheizung, Warmluft, ist in stilgerechten Kästen untergebracht; zu den glasgemalten Fenstern sichren Ballustraden. Das Wandgetäfel, an dem man den sicheren und exakten Schnitt nicht genug bewundern karm, wird von einem Gesimse - Aufsätze gekrönt. Das Ganze ist ein Werk, das in Entwurf und Ausführung nicht nur der Firma, sondern auch dem Besteller, der immer und immer wieder, ganz im Gegensätze zu so vielen andern, das heimische Gewerbe heranzieht und nach altaristokratischem Vorbilde fördert, zum Ruhme
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. November 1907, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8280-neuer-speisesaal-im-normannischen-stil-im-schloss-mentelberg-1907).
(Neues Bezirks Hauptmann sch a fts- Gebäude.) Aus Kufstein wird berichtet: Der Bau des neuen Bezirkshaupttnannschastsgebäudes ist nunmehr beschlossene Sache. Das Gebäude wird hinter das neue Gerichtsgebäude an der neuen, …
(Ein Stück Alh - Innsbruck verschwindet.) Am Samstag ist zwischen dem Privatier Georg König und der Innsbrucker Baufirma Hüter ein Kaufvertrag abgeschlossen worden, nach dem die Serviten oder Engelmühle in der Adamgasse …
(Abbruch der Engel mühle.) ' Dieser Tage begann die Baufirma Hüter, die Eigentümerin der historischen Serviten oder ' Engelmühle, mit dem Abbruche des alten Anwesens. An seiner Stelle ersteht ein Block von vier Wohnhäuse …
Seeger, das Fest der silbernen Hochzeit. (Ruine Kropfsberg.) Man schreibt uns: Sicherem Vernehmen nach soll der gegenwärtige Eigentümer der * Ruine Kropfsberg bei Brixlegg sich mit der Absicht tragen, die genannte Ruine …
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