Verhältnise bei der Verwendung von Kindern zu Arbeiten aller Art einzuleiten. Mit der Vornahme dieser Erhebung wurde das Handelsministerium betraut. Da es von Vorneherein untunlich und auch entbehrlich schien, die Erhebung auf sämtliche arbeitende Kinder in ganz Österreich auszudehnen, so ging das Arbeitsstatiftische Amt zunächst daran, in den einzelnen Ländern Gebiete verschiedenen wirtschaftlichen Charakters auszuwählen, um so alle Arten der Heranziehung von Kindern zur Arbeit unter den verschiedensten wirtschaftlichen Voraussetzungen zu erfassen. Als solche Gebiete kamen z. B. in Betracht: Großstädte, Industrie - Orte, hausindustrielle Gebiete, kleine Städte und Märkte ohne nennenswerte Industrie und Heimarbeit, ferner Gebiete mit vorwiegend Ackerbau, Viehzucht, Forstwirtschaft, Wein -, Obst -, Gemüsebau treibender Bevölkerung u. s. w. In diesen Gebieten sollen nun im Wege der Schulbehörden alle Volks und Bürgerschulen, in Kram, Görz und Gradiska, Istrien, Dalmatien, Galizien und in der Bukowina überdies auch die dort bestehenden Wiederholungs -, bezw. Fortbildungsschulen mit Fragebogen be- Leilt werden, welche dazu bestimmt sind, Aufschluß über die Tätigkeit der diesen Schulen zugehörigen Kinder im Alter bis zu 14 Jahren zu geben. Die Fragebogen sind von dreierlei Art, und zwar Schul -, Klassen und Individual - Fragebogen für jedes arbeitende Kind. Der Schulfragebogen, welcher von der Schulleitung auszufüllen ist, enthält zunächst einige Fragen über die Organisation des Unterrichtes an der betreffenden Schule; des weiteren gibt er aber der Schulleitung Gelegenheit, sich allgemein, und zwar womöglich auf Grund einer vorher abzuhaltenden Lehrerkonferenz, über die im Schulsprengel vorkommenden Arten der Kinderarbeit und deren Verbreitung zu äußern. Hier soll eventuell auch der Schularzt oder ein anderer an der Erhebung etwa mitwirkender Arzt sein Gutachten über den Einfluß der Arbeit auf den Gesundheitszustand der Schuljugend abgeben. Weit kürzer ist der Klassenfragebogen, beziehungsweise der analoge Fragebogen über den Besuch der Wiederholungs und Fortbildungsschulen gehalten. Derselbe dient im wesentlichen nur dazu, die Gesamtzahl der der betreffenden Klasse angehörenden, bezw. der am Wiederholungs - Unterrichte teilnehmenden Kinder nach Alter und Geschlecht auszuweisen, sowie die Zahl der in der Klasse befindlichen arbeitenden Kinder anzugebeu. Die wichtigste Funktion bei der Erhebung fällt zweifellos dem dritten Erhebungsformular, dem Individual - Fragebogen zu, welcher in der Regel von dem Klassenlehrer oder der Klassenlehrerin, bezw. von der den Wiederholungs - Unterricht leitenden Lehrperson, für die keiner Klasse angehörenden Kinder aber Jrrrrsvrircker Nachrichten von der Schulleitung zu beantworten ist. — Ein solcher Fragebogen soll für jedes schulpflichtige oder am Wiederholungs - Unterrichte teilnehmende Kind im Alter bis zu 14 Jahren ausgefüllt werden, welches während des Schuljahres 1907/8 oder während der unmittelbar vorhergegangenen Hauptferien Arbeiten irgend welcher Art verrichtet hat, sei es in der Landober Forstwirtschaft, bei Jagden, in der Fischerei, im Bergbau, in einer Hausindustrie oder Heimarbeit, in Fabriksbetrieben, bei Handwerkern, im Gast und Schankgewerbe, in einem Handels oder Transportunternehmen, im 5) aushalte ( Kinderhüten u. dgl.) oder sonstige Arbeiten, wie z. B. bei Theater - Unternehmungen und anderen öffentlichen Schaustellungen, als Bote, Austräger, Hausierer, Kegelaufsetzer re. Hiebei soll es keinen Unterschied machen, ob die Arbeit des Kindes in irgend einer Form besonders entlohnt wurde oder nicht, und es sollen hier auch jene Kinder berücksichtigt werden, welche ausschließlich für ihre Eltern oder Wohnungsgeber in deren Betrieb oder Haushalt tätig waren. Die Ausfüllung eines Fragebogens wird lediglich bei jenen Kindern entfallen können, die während des früher genannten Erhebnngszeitraumes keinerlei Arbeiten verrichteten oder von ihren Eltern und Wohnungsgebern nur ausnahmsweise zu geringfügigen Hilfeleistungen herangezogen wurden. Die Fragepunkte, welche für jedes arbeitende Kind zu beantworten sein werden, beziehen sich auf das Alter, Geschlecht, die
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 9. November 1907, S. 19, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8281-erhebung-ueber-die-arbeitsteilnahme-schulpflichtiger-kinder-durch-1907).
(Eine freiwillige Rettungsgesellschaft in Innsbruck.) In der gestern abgehaltenen Hauptversammlung der Innsbrucker Feuerwehr kam ein Entwurf zur Gründung einer freiwilligen Rettungsgesellschaft zur Beratung. Dieser Entwu …
(Auch die Hebammen.) Wie aus unserem heutigen Inseratenteil ersichtlich ist, haben nunmehr auch die Hebammen von Innsbruck, WiLten, Pradl, St. Nikolaus und Hötting eine Preissteigerung für ihre Mühewaltung eintreten Lass …
(Der Kampf um die Krankenkassa.) Seit einiger Zeit finden wir an allen Bauplätzen folgendes angeschlagen: „ Bauarbeiter! Gewissenlose Ausbeutung von Seite der sich krank Meldenden hat unsere Kasse in den Fahren 1905 und …
Seite 17. Versorgung erwerbsunfähiger Arbeiter. Auf der Tagesordnung der letzten Gemeinderatssitzung stand u. a. auch die Beratung eines von der Wohlfahrtssektion ( Referent Gemeinderat Thurner) vorgelegten „ Statutes fü …
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