der „ Innsbrucker Nachrichten " steht ein längerer Bericht über das Relief vor: Tirol der Alpenvereinssektion Innsbruck. Am Schlüsse desselben wird auch des Schulersichen Reliefs im Garten des Pädagogiums Erwähnung getan. Über den Zweck dieses letzteren Reliefs scheint der Verfasser nicht unterrichtet zu sein und. seine Ausführungen rufen eine falsche Anschauung hervor. Wenn er schreibt: „ Das geologische Relief Schülers stellt die vielverzweigten Gebirgszüge des Landes mit den scheidenden Talfurchen dar, ohne sich mit den Einzelheiten der Vodenform. zu befassen ", und: „ Das eine (das Schüler siche) zeigt das Knochengerüst Tirols, das andere die auf dieser Grundlage ruhende Hülle mit der ganzen Mannigfaltigkeit ihrer Formen und Farben ", so entspricht das keinestvegs derch was der Erbauer bei seiner Arbeit anstrebte und tatsächlich auch nicht deM Aus-. sehen einzelner Teile des Reliefs. Vom geologischen Aufbaue hängt ja die Gestalt der Oberfläche ab; leicht verwitternde Gesteine bedingen beispielsweise ein anderes Aussehen eines Gebirges, eines Landes, als schwer vierwitternde. Der moderne Geograph arbeitet auch ausschließflich auf geologischer Grundlage. Der Verfasser weiß nun aber wohl nicht, daß eine Auflage nieder bleibender Pflanzen ( Schüler wollte zuletzt zartes Steinmoos hiezu verwenden) auf dem aus Steinen, bezw. den Gesteinen, hergestellten Gerippe die Oberflächengestalt und die Bodenform zur Darstellung bringen sollte. Wenn jetzt in vielen Teilen des Reliefs diese Pflanzenauflage fehlt, ist das einer Reihe hinderlicher Umstände zuzuschreiben, mit welchen der Erbauer auch jetzt noch kämpfen müßte, wenn er es nicht beim Mangel jeder Unterstützung vorgezogen hätte, den erfolglosen Kampf aufzugeven und sich zurückzuziehen. Wäre einstmals nur „ das Gerippe " zu sehen gewesen, hätte wohl kaum Seine kaiserliche und königliche Hoheit Herr Erzherzog Albrecht nach einem Besuche der Karte am 22. April 1893 sagen können, „ et habe schon vieles gesehen, aber etwas solches gebe es seines Wissens in Europa nicht. " Wäre der Besuch nur für den lehrreich, der sich für Geologie interessiert, hätte Wohl kaum Se. Exzellenz der verstorbene Geireral - Feldmarschall Handl - Mazetti die Manöverpläne selbst an der Karte studiert und den Offizieren der hiesigen Garnison den Besuch derselben aufgetragen. AM 2. Mai 1898 hatte der Erbauer das Vergnügen, mit dem bekannten Geoplasten Gustav Edl. v. Pelikan im Reliefe zusammenzutreffen. Derselbe hob dem Erbauer gegenüber, wie letzterer mir erzählte, besonders hervor, daß im Gegensätze zu allen anderen ihm bekannten Reliefs hier nicht bloß die Gestaltung der GebirgskäMme und Gipfel, sondern auch der Abhänge der Wirklichlell entspricht. Die Reliefkarte Schülers ist ihrer eigentlichen Bestimmung nach ein Lehr und Anschauungsmittel für Schüler und hat als solches entschieden die Aufgabe, auch die Bodenform vor Augen zu führen. Daß sie dieser Anforderung tatsächlich gerecht wird, sagt Gustav Lauteschläger in seinem Aufsatze: „ Über Anschauung und Anschauungsmittel sin Unterricht " ( Neue Jahrbücher für das klassische Altertum, Geschichte und deutsche Literatur und für Pädagogik, herausgeg. von I. Jlberg und B. Gerth, VII. Jährg. 1904). Lauteschläger nennt das Relief Schülers „ das vollkommenste Anschauungsmittel auf geographischem Gebiete, das er kenne. " Wie ließen sich wohl nur mit Berücksichtigung der Gipselsormen, aber ohne die Abhänge in Betracht zu ziehen, die Dolomiten darstellen? Welche Decke soll dort Wohl das „steinerne Gerippe " bedecken? Gilt ähnliches nicht auch von der Darstellung der mehr als 1000 Quadratkilometer, welche der Gletscherregion Tirols angehören? Zum Schluffe möchte ich den Herrn Verfasser des Artikels auch noch aus die Ausführungen des Erbauers felöst in den Mitteilungen des D. u. O. Alpenvereins, 1889, Nr. 16, aufmerksam machen, so wie auf das, was in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften von verschiedenen Seiten über das Schulersiche Relief gesagt wurde, z. B. von Dr. Rudolf Schwingenschlögl in Nr. 37 der „Beamtenzeitung " vorn Jahre 1889; von demselben ebenso 1893 Nr. ' 29; ferner auf den Aufsatz eines Ungenannten in der „ Neuen Freien Presse ", Abendblatt,
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 22. August 1908, S. 6, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8439-kritik-an-der-falschen-auffassung-des-schuelerschen-reliefs-im-1908).
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