Gründung der Ortsgruppe Ziel. Am letzten Sonntag fand die von Herrn Professor Edgar Meyer angeregte Gründung der Ortsgruppe Zirl des Tiroler Volksbundes statt. Die Herren Gemeindevorsteher Alois Gspan und Altvorsteher Franz Gastl holten die von auswärts Erschienenen am Bahnhöfe ab. Am Eingänge ins Dorfe erwartete die Musikkapelle die Gäste und geleitete sie mit klingendem Spiele in das Versammlungslokal im Gasthofe zur Post. Hochw. Herr Pfarrer Christian Waibl begrüßte die zahlreich Versammelten aM > gab seiner Freude Ausdruck über die Gründung ein ' ir Ortsgruppe des Tiroler Volksbundes in Zirl und machte den Vorschlag, den anwesenden Altpräsidenten Anton v. Schumacher, Obmann der Allgemeinen Bnndesgruppe Innsbruck, als Vorsitzenden für die heutige Versammlung zu wählen, was durch allseitigen Beifall geschah. Der Vorsitzende begrüßte die verschiedenen Ortsinsassen, sowie die auswärtigen Gäste, denen von der Hauptleitung Herr Prof. Edgar Meyer, Herr Bnndesschatzmeister Eckart v. Schumacher, ferner drei Herren von der Akadem. Ortsgruppe, Herr Pros. v. Vintschgcr als Vertreter der Bundesortsgruppe Klageufurt, Herr Branddirektor Hermann Gollner als Vertreter der Bundesgruppe Dresden, He: ( r Billunger als Obmann der Ortsgruppe Höttiug, Herr Dr. Forcher - Mayr als Vorstand der Sektion Innsbruck des T. u. O. Alpenvereins und der neue Wanderlehrer des Tiroler Volksbundes Herr Josef Ammann sich befanden. Herr Professor Edgar Meyer sprach hieraus in gewohnt meisterhafter und hinreißender Weise über Zweck, Leistungen und Bedeutung des Tiroler Volksbundes und erntete für seine Ausführungen begeisterten Beifall. Wanderlehrer Ammann sprach über die vaterländische Bedeutung der deutschen Schutzarbeit im allgemeinen und! des Tiroler Volksbundes im besonderen und erzielte mit seinen Ausführungen ebenfalls die lebhafteste Zustimmung der Versammlung. Nachdem durch Zuruf Herr Schulleiter i. R. Franz Rangger zum Obmann und hochw: Herr Pfarrer Christian Waibl zum Stellv er: reEkM ' * wählt worden waren, nahm ein geistlicher Herr aus Martinsbühel das Wort und besprach den interkonfessionellen Standpunkt der deutschen Schutzvereine, betonte, der römisch katholische Glaube eigne sich besser als einigendes Band, wie der deutschnationale Gedanke und warf die Frage auf, wie sich denn der Tiroler Bolksbund zu den anderen deutschen Schutzvereinen stelle. Hierauf erwiderte Herr Professor Meyer: Alle deutschen Schutzvereine, darunter Südmark, Deutscher Schulverein, Tiroler Volksbund, auch die neugegründete Ostmark haben beinahe gleichlautende Bestimmungen in der: Satzungen, soweit es sich um die Mitwirkung aller Deutschen ohne konfessionelle oder Parteiunterschiede handelt, und so erkläre er svsort freimütig, daß der Volksbund in einem durchaus freundlichen Verhältnisse zu den anderen deutschen Schutzvereinen stehe. Wenn einzelne Mitglieder ° von Schutzvereinen Fehler begehen, so ist das eben menschlich, aber was die Bedenken des hochw. Herrn Vorredners anbelangt bezüglich des Tiroler Volksbundes, so könne wohl versichert werden, daß ehrlich alles Parteipolitische und Konfessionelle vollständig ausgeschaltet ist, so daß im Volksbunde mehr noch wie in anderen Schutzvereinen das nationale gemeinsame Band andere Gegensätze überbrückt. Wie hinfällig die geäußerten Bedenken in religiöser Hinsicht sind, beweise die Mitwirkung und die Mitgliedschaft hunderter deutscher katholischer Priester. Aber allerdings scheine der Vorredner, der nach eigenem Geständnis Bayer und nicht Tiroler ist, die Verhältnisse in Tirol doch nicht genügend zu kennen und auch die heutige gründende Versammlung einer Volksbundgruppe allenfalls mit einer Piusvereinsversammlung zu verwechseln. Nach Herrn Professor Edgar Meyer sprach Wanderlehrer Ammann zur Sache und betonte, daß im Deutschen Schulvereine und in der Südmark viele katholische Seelsorger wirken und diese Vereine auch in neuester Zeit von katholischen Stiftern unterstützt wurden. In wenigen treffenden Worten führte Herr Psarrer Waibl folgendes aus: Die vorangegangenen Reden hätten seinen Vorsatz, dem Tiroler Volksbunde beizutreten, nur noch be -! lich nicht mehr vorhanden, denn die sind längst, stärkt.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. Jänner 1910, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8676-gruendung-der-ortsgruppe-zirl-des-tiroler-volksbundes-mit-reden-und-1910).
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