Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WASSERFREMD IN KUNDL

Trinkwassernot in Kundl trotz reicher Quellen im Ort

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 19. November 1910 · Seite 18 · #Trinkwasserversorgung
Die Trink und Nutzwassernot in Knndl. Man schreibt uns aus Kündk: Seit vielen, vielen Jahren schon besteht in Kundl eine Nutz < und Trinklvassernvt, für deren Behebung nichts geschieht. Schon im Jahre 1902 reichte eine Anzahl von Bürgern eine Beschwerdean den Tiroler Landesausschuß ein, die aber leider kein anderes Ergebnis hatte, als daß am 4. November 1902 eine Kommission erschien, die dann die bekannte Tatsache feststellde, daß der größte Teil der Ortschaft nur zwei unweit von einander bestehende Brunnen besitze, die überdies im Winter rnonatelarrg zugefroren sind. Von der weit größeren Ortschaftshälfie mußte sich die Mehrzahl der Steuerträger teilweise mit Ziehbrunnen oder mit gewöhnlichem, bei Niederwasserstand ausbleibendem Achen ' wasser und zu solch trockenen ' Jahreszeiten mit vielfach verunreinigtem Mühlbach- Wasser behelfen. Dem gegenüber besteht die Tatsache, daß die im Zentrum der Ortschaft angesiedelte, sogenannte „ bess. ve Bauernschaft" reichhaltig mit Qnellwasser versehen ist. Dieser OrtMeil, „ Jnnerdorf " genannt, besitzt insgesamt neun Lausbrunnen, von welchen nicht ^veniger als fünf je einen eigenen Besitzer haben, das heißt jeder einzelne Brunnen nur ein Anwesen mit Trink und Nutzwasser zu versehen hat. Diese Brunnen werden von den, fm > GemeindegMet gelegenen Quellen und durch sämtliche Holzjröhren zu der 1800 Meter langen Gemeinde - Wasserleitung gespeist. Die Teilnehmor an diesen Brunnen wollen ttlfn von dem Neubau einer so dringend notwendigen gemeinschaftlichen Wasserleitung! nichts wissen. Es wird da immer gesagt: „ Ja, eine Wasserleitung könnte önk schon bauen, wenn ihr Wasser und Geld gnuag aufbring ' s, ober wir lassen koan Tropfen Wasser hear Und zahjlen toan wiar a nix, urE ist Wasser guat gnuag. " Mer nicht nur die AM ersterwähnten Brunnen frieren zu, dies geschieht auch mit den meisten der anderen. Dasselbe Schicksal ereilt auch die sogenannte Qberdvrsorunnenlütung, welche von zwei mutigen, unternehmungslustig «: Bürgersfrauen zum nachahmenswerten Vorbild für die „Gemeindevertretung aller Bürgen " auf eigene Kosten erbaut wurde.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 19. November 1910, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8812-trinkwassernot-in-kundl-trotz-reicher-quellen-im-ort-1910).

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