Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KAULOBEN UND KARIES

Ergebnisse der medizinischen Untersuchung an Schülern zeigen verbreitete körperliche Mängel

Seite 6. M. M3. JnAsSrreeker NachriHkett Freitag 18. ' 1910. ( = 6 8 Prozent) Kinder ( 103 - - - 65 Prozent Knaben und 106 — 72 Prozent Mädchen) ein schlechtes, mit zahlreichen kariösen Zähnen. Es hat also nur ein Viertel aller Schutti ' nder eini halbwegs gutes Gebiß. Plomben wurden Nur sehr wenige beobachtet. Diese außerordentliche Verbreitung der Zahnfäule hat ihre Ursache nicht allein und vornehmlich in mangelhafter Zahnpflege und Unterlassung der Behebung schon vorhandener Schäden. Viel Schuld daran trägt die unzweckmäßige Ernährung und die weiche, einen zu geringen Gebrauchs der Kiefer erfordernde Zubereitung unserer Speisen. Belehrung und Aufklärung des Volkes wäre also auch in dieser Richtung von größtem Werte. Auch alle anderen vorgefundlenen Krankheiten und bleibende Folgezustände solcher finden sich auf einer Tabelle genau zusammengestellt. Abnorme Zustände am Knochensystem wurden bei den Knaben 183 -, bei den Mädchen 58mal vorgefundeu, davon nehmen einen verhältnismäßig geringen Teil die Wirbelsäuleverkrümmungen ein, nämlich 15mal bei den Knaben und 26mal bei den Mädchen. Weitere Folgezustände von Erkrankungen der Knochen und Gelenke konnten 90mal bei den Knaben und 64mal bei den Mädchen festgestellt werden, darunter bei ersteren 85 -, bei letzteren 64mal, infolge von in den ersten Lebensjahren üb erstandener Rachitis. Offene Tuberkulose der Lungen wurde bei 4 Knaben und 3 Mädchen beobachtet, außerdem litten 6 Knaben und 4 Mädchen an einem chronischen Katarrh der Lungen, dessen Natu nicht sicher festgestellt werden konnte, wobei also der Verdacht auf Tuberkulose zulässig ist. Organische Herzfehler fanden sich bei den Knaben 17 -, bei den Mädchen 20mal; Erkrankungen der Augen bei 80 Knaben und 57 Mäß-. Störungen des Sehvermögens 64 -, bezw. • mal; Erkrankungen des Ohres 8 -, bezw. 5mal und Gehörstörungen 25 -, bezw. 20mal. S t a m m e l n, Stottern und fonstige Fehler der Sprache ergaben sich in 39 bezw. 21 Fällen. Letztere Zusammenstellung hat bisher nur einen statistischen Wert. Es wäre sehr zu wünschen, daß auch hier, wie in vielen anderen Städten, Sprachkurse für Schulkinder errichtet werden, nicht solche eines von Stadt zu Stadt wandernden Sprachheilkünstlers, sondern am zweckmäßigsten eines darin geschulten Lehrers, der sich nicht nur während der Dauer eines kurzen Kurses, sondern fortwährend der Beseitigung der Sprachfehler widmen könnte. Kropf fand sich 64 -, bezw. 72mal; Schwachsinn verschiedenen Grades 35 bezw. 29mal. Auch für letzteren bestehen dermalen noch keine entsprechenden Einrichtungen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 18. November 1910, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8811-ergebnisse-der-medizinischen-untersuchung-an-schuelern-zeigen-1910).

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