eln. Verlag A. Schroll, Wien. — Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß die Schönheit unserer heimischen Architektur gewissermaßen erst wieder entdeckt werden mußte. ( S $ war ein Geist der Nüchternheit über die Menschen gekommen, der sie für das Schöne in ihrer nächsten Umgebung blind machte; als aber diese neue Art immer traurigere Blüten trieb, und der hohle Prunk, die innere Unwahrheit der neuen Bauweise eine Art Ekel hervorzurufen begann, da sing man an, sich wieder die verachteten Werke unserer Ahnen näher zu besehen und man fand einen Schatz von Schönheit. Es handelte sich nun einerseits, diesen Schatz davor zu behüten, daß nicht durch Unverstand und Neuerungs ' wut zerstört werde, was noch übrig war, anderseits aber für die Neuschaffenden den Faden der Tradition lvieder aufzunehmen und fortzuspinnen. Für beide Zwecke ist das genaue Studium des noch Vorhandenen j Unerläßlich, denn nur das zunehmende Vee z ständnis beim Volke selbst und Mid eff US in! den Reihen der B,angelver! betreibendeN kann eine | Besserung herbeiführen. Nicht jedermann hat aber Zeit und Geld, selbst Studienreisen zu machen, auch muß das Verständnis vielfache erst geweckt werden. Da sind Uun Werke, wie das vorliegende, von allergrößtem Werte. Ehe ich auf den Inhalt näher eingehe, kann ich. mir nicht versagen, auf den Genuß hinzuweisen, den die Betrachtung dieser Skizzen an und für sich gewährt; dieselben verraten eine geradezu bewundernswerte Sicherheit in der Wiedergabe architektonischer Formen; ein bravouröses ' Alla Mma - Zeichnen gibt diesen Blättern ' den Reiz von selbständigen Kunstwerken; wie hier die kompliziertesten Ständergiebel mit einer Sicherheit in der Perspektive mit * in der Darstellung der Konstruktion festgehalten werden, wirkt geradezu verblüffend. Gar mancher, der diese Fülle von Motiven aus Innsbruck und dessen näherer und weiterer Umgebung auf diesen Müttern wiedergegeben findet, wird erstaunt sein, wie viel Schönheit er bisher unbeachtet gelassen. Ter Verfasser hat sowohl an rein ländlichen Bauten, an mannigfachen Holzkonstrüktionen eine reiche Auslese zusammengebracht, als glich an jenen Bauten, welche gewissermaßen vom Torsbau zum städtischen Wohnhaus überleiten; es sind dies meist die Gasthöfe an den Straßen und größere Ansitze überhaupt. Nun folgt ein Zyklus von Ansichten aus Innsbrucks Altstadt, aus Treiheiligen, Mariahilf, Hall, Schwerz, Rattenbevg, Matrei usw.; diese Bauten weisen trotz gemeinsamen Charakters eine merkwürdige Mannigfaltigkeit in den Lösungen auf. Trotz verschiedener Entstehnngszeit und Stilmischung geht durch diese Bau- Lomplexe ein einheitlicher, künstlerischer Zugweil der Faden der Tradition ununterbrochen ßvrtgcspönnen wurde. Erst die Schöpfungen des 19. Jahrhundert fallen wie Fremdkörper auf. Eine Serie von Kirchen und Kirchtürmen bringt meist Beispiele von barocken Bauten; auch hier ist stets nur das Wesentliche festgehalteu, das, was in jedem Falle den architektonischen Reiz des Baues ausmacht. Ten Schluß bilden einige Interieurs und Details. Ein sehr gutes Blatt ist Nr. 38, wo wir einen Seitenaltar der Innsbrucker Pfarrkirche und die Kanzel der tzoskirche skizziert finden. Ter Direktor der k. k. Staatsgewerbeschule, Hellmessen, hat dem Werke ein kurzes Geleitwort beigegeben: „ Tie gesertigte Direktion begrüßt in der vorliegenden Arbeit einen weiteren Schritt zur. Wiedergewinnung unserer guten, abhanden gekommenen Kunfttradition alter, tirolischer, ländlicher Baukunst und gibt sich der sicheren Erwartung hin, daß insb. sondere das heimische Baugewerbe und Handwerk in dieser Publikation einen treuen Bundesgenossen bei der Pflege örtlicher, heimatlicher Eigenart finden wird. In diesem Sinne seien die vorliegenden Aufnahmen bestens empfohlen.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 16. November 1910, S. 11, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8810-buch-ueber-tirolische-baukunst-als-schatz-der-tradition-und-vorbild-1910).
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