Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
HALBE PREISE IN GRAZ, DOCH

Höhere Gemüse- und Obstpreise in Innsbruck als in der Steiermark

Die Neuerung. Eiu Beitrag zur Teuerung. Die allgemeine Lebensmittelteuerung hat sich bekanntlich heuer zu einer europäischen Plage ausgewachsen und droht in ihren Folgen das gesamte Wirtschaftsleben tief zu erschüttern. Über die Ursachen der Teuerung und über die Mittel zu deren Abhilfe ist bereits so viel geschrieben und noch mehr gesprochen worden, daß es nicht notwendig erscheint, darüber noch besondere Worte zu verlieren. Gerade deshalb, weil die fortschreitende Teuerung alle Gemüter so lebhaft bewegt, ist die Bevölkerung dem Einflüße demagogischer Schlagworte weit stärker als sonst ausgesetzt, ohne aber mehr als klingende Worte zu hören, insbesondere von Seite jener Partei, die eigentlich verpflichtet wäre, mit den anderen Parteien das schwierige Problem der Teuerung zu lösen. Bon der Teuerung heißt es, daß diese eine europäische sei und von der Preislage des Weltmarktes abhänge. Betrachten wir daher die Preisverhältnisse der beiden Städte Innsbruck und Graz. Die Preise der verschiedenen Fleisch - Gattungen sind in Graz, allerdings nur unbedeutendbilliger; größer aber ist der Preisunterschied in den Gemüsen. So kostet zum Beispiel: ein großer Speisekürbis rtt Innsbruck 16, in Graz 10 Heller; Gurken, mittelgroß, zwei Stück, in Innsbruck 20, in Graz 10 Heller; Kopfsalat, 2 Stück, in Innsbruck 16, in Graz 10 Heller; Erbsen, ausgelöst } [ l Kilogramm in Innsbruck 20, in Graz 16 Heller; Kartoffel ein Kilogramm, in Innsbruck 16 in Graz 10 Heller; Fisolen, gelb und grün, 1 Kilogramm 48 ( N in Graz 24 Heller.. Ferner erhält man in Graz ein Büschel, enthaltend sämtliche Suppenkräuter, um 2 Heller, was hier unter 16 Heller nicht erhältlich ist. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß es viele Tausende Menschen gibt, die gerne auf das Fleisch verzichten würden, wenn sie als Ersatz billiges und gutes Gemüse erhalten könnten, spielt der Preisunterschied im Gemüse eine hervorragende Rolle. Ist daher nicht die Frage berechtigt, weshalb gerade in Innsbruck das Gemüse so hohe Preiseaufweist? Hier müßte doch ein Händler, der das Gemüse zum Beispiel aus Steiermark waggonweise beziehen würde, preisdrückend einwirken können! Mit dem Obst, ebenfalls einem wichtigen Nahrungsartikel, sieht es in Innsbruck gleich schlecht aus. Zwetschken kosten z. B. in Kärnten jetzt 16 Heller, in Innsbruck 30 Heller pro Kilo! Wie also aus diesen wenigen Beispielen ersichtlich, trifft der hohe Weltmarktpreis beim Gemüse und Obst nicht einmal in den Alpenländern zu.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 25. September 1911, S. 7, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/8937-hoehere-gemuese-und-obstpreise-in-innsbruck-als-in-der-steiermark-1911).

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