Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
KERKERBÜCHER MIT ÜBERRASCHUNG

Erscheint Buch über Kerkererfahrungen Eduard Reichels aus den Badenijahren

( „ Ein Jahr Kerkerhaft ".) Nur ab und zu ^ wird die Öffentlichkeit noch daran erinnert, daß es in nationaler Beziehung für die Deutschen in Österreich eine Zeit gab, wo aller Parteihader verstummte, um im Volksinteresse einer großen Bewegung freie Bahn zu lassen. Die Badenijahre sind den meisten unserer Volksgenossen durch ihre Drangsalierung in nationaler Hinsicht noch in Erinnerung und aus sie wurden wir in letzter Zeit wieder einmal aufmerksam gemacht. Vor einigen Tagen erschien unter dem Titel „ Ein Jahr Kerkerhaft " ein Buch, das den in nationalen Kreisen bekannten Schriftsteller Eduard Reichel zu seinem Verfasser hat. Reichel, der in den Badenijahren wegen eines Epigrammes zum 70. Geburtstage des österreichischen Kaisers zu einem Jahre schweren Kerker verurteilt wurde und diese Strafe im Innsbrucker Gefangenhause auch verbüßte, schildert hier in schlichter Weise seine Erinnerungen aus der danlaligen Zeit. Der Inhalt des Buches gewinnt aber noch an Interesse, weil der Autor den Lesern mitteilt, daß das fragliche Epigramm gar nicht ou $ ' seiner Feder stammte, sondern von einer Dame herrührte, deren Vater einer der hervorragendsten Schriftsteller Tirols war. Reichel, der die Strafe annahm, schildert also hier, daß er ein Jahr Kerker unschuldig verbüßte. Aber auch sonst ist das Buch interessant, weil uns der Verfasser in diesem einen Einblick in das Leben der österreichischen Gefangenhänser gewährt. „ Ein Jahr Kerkerhaft ", das im Verlage der Buchhandlung Friedrich Schalk, Wien VI., Mariahilferstraße 97, erschien, kann durch alle Buchhandlungen bezogen werden und kostet geheftet 2 Kronen, gebunden 2 Kronen 80 Heller.
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 20. August 1912, S. 4, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9079-erscheint-buch-ueber-kerkererfahrungen-eduard-reichels-aus-den-1912).

Weitere Berichte aus der Rubrik „Gerichtswesen & Prozesse“

FLUCHTGEIST VOR DER STRAFANSTALT

Verurtheilung einer Kofler wegen Körperverletzung und Drohung in der Besserungsanstalt St. Martin

Innsbrucker Nachrichten · 9. April 1912 · S. 17 · Gerichtswesen & Prozesse

(Schlecht betätigter Freiheitsdrang.) Wegen Verbrechens der schweren körperlichen Beschädigung und der gefährlichen Drohung hatte sich am vergangenen Samstag die 1892 in Innsbruck geborene ehemalige Kellnerin Florina K o …

STRÄFLINGE VERLIEBEN SICH IN NEUE HAFTORTEN

Erster Transport aus der Weiberstrafanstalt St. Martin – tödlicher Streit nach Schnapstrinken in Schwaz

Innsbrucker Nachrichten · 3. Dezember 1912 · S. 5 · Gerichtswesen & Prozesse

(Von der Weiber st rafan st alt in Schwaz.) Aus Schwaz wird uns unterm 2. ds. M. geschrieben: Heute früh ging der erste Transport von Sträflingen aus der Weiberstrafanstalt St. Martin bei Schwaz ab. Die Strafanstalt in S …

✎ Korrektur-Modus Klicke in jede Überschrift oder Transkriptions-Zeile (Enter = nächste Zeile, Shift+Enter = Zeile teilen)
Gesammelt: 0 Artikel |