Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
WOLF IM HERZEN DER MUSIK

Hugo Wolf-Abend mit Toni Schiechtl und Alexander Myon am 2. Mai

Innsbrucker Nachrichten · Erscheinungsdatum: 26. April 1913 · Seite 32 · #Musikveranstaltungen
X (Hugo W 0 lf - Abend Schiechtl - - My 0n.) Der Karten - Vorverkauf zu dem auf Freitag den 2. Mai von uns bereits angekündigten Hugo Wolf - Abend unseres heimischen Sängers Toni Schiechtl mit dem Komponisten Alexander * Myon aus Brixen wird am nächsten Montag beginnen. Erfreulicherweise macht sich schon in vielen Kreisen unserer Gesellschaft ein recht freundliches Interesse für. die Veranstaltung geltend, ein Beweis einerseits, daß unseren Musikfreunden heute der neuzeitliche Reformator des deutschen Kunstliedes bereits enger ans Herz gewachsen ist, andererseits, daß man auch an die beiden Veranstalter nur die besten Erwartungen knüpft. Tatsächlich dürfen wir nun von Beiden Wohl etwas Ausgezeichnetes erwarten. Wolf gut zu singen, ist besonders schwer. Seine Lieder stellen eben an Sänger, wie an Klavierspieler ganz eigene Anforderungen, Ansorderungen, welche nicht so sehr auf dem Gebiete des Technischen liegen, als anderswo. In technischer Hinsicht geht auch Wolf im Durchschnitte über die Anforderungen von Schumann, Franz und Brahms nicht hinaus; jedoch erfordert der Vortrag gerade bei ihm ein besonderes Hineinleben in die Musik sowohl, wie in die Dichitung, ein so völliges Aufgehen in dem Was der Darbietung, daß der Vortragende hier mehr denn bei einem Anderen ( wie Bülow von Wagner sagte) „ musieien et denn " sein, also über ein ungleich höheres Maß von geistigen Qualitäten verfügen muß, als es andere Tondichter von ihren Interpreten im Allgemeinen fordern. Nun finden wir aber gerade in den Künstlern Schiechtl und Myon jene Gaben vor allem vereint, welche uns auf eine glückliche Lösung der von den beiden ins Auge gefaßten schönen Ausgabe schließen lassen. Schiechtl ist wohl einem großen Teile unserer Musikfreunde als Sänger schon hinlänglich bekannt. Besitzt er nun am Ende auch > nicht die große Klangkraft dieses oder jenes „ Stimmgewaltigen von den Brettern ", so schätzen wir in ihtn doch ein. vielleicht ungleich gewinnenderes Organ. Seine weiche, lyrische Stimme dünkt uns bei Hugo Wolf gerade erst recht am Platze, zumal Schiechtl mit dieser nun eben auch eine vortreffliche Schulung, die edelste Erfassung wahrer Kunst und eine überall warme, nur von echter Intelligenz beherrschte Empfindung
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 26. April 1913, S. 32, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9259-hugo-wolf-abend-mit-toni-schiechtl-und-alexander-myon-am-2-mai-1913).

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