Zeitgenössische Originalberichte aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol
Tiroler Zeitungschronik
DIE DICHTRIN, DIE TIROL ERLEBTE

Festliche Würdigung der Tiroler Dichterin Angelika v. Hörmann anläßlich ihres 70. Geburtstags

liegen, wie man Herr kann werden über das schwerste im Leben, über sich selbst. Eine treubesorgte Gattin und Mutter und eine Dichterin dazu. Wenn sie aber als solche in den weiten Gauen Oesterreichs und Deutschlands gefeiert wird, so haben wir, ihre Heimatgenossen, doppelte Ursache uns zu freuen. Dwnm Adler, Tiroler Adler, hebe deine Schwingen voll freudigem Stolz. Abermals darfst du einer Unsterblichen zu ihrem 70. Geburtstag den Lorbeer reichen. „Nehmt Frouwe diesen Kranz! " Franz Krane Witt er. 4 » Angelika von Hörmann. Von S. M. Prem. Das jubiläenreiche Jahr 1913 bringt auch uns Tirolern manche teure Erinnerung und es ist in diesen Tagen materiellen Hastens und politischen Lärms gewiß vielen ein ethisches Bedürfnis, die anscheinend vom Wust des Alltags verschütteten Adern geistigen Lebens wieder aufzuschürfen. Eine solche Gelegenheit bietet der 70. Geburtstag der heimischen Dichterin Angelika v. Hörmann. Ihre Leistungen haben zwar schon längst die Aufmerksamkeit gebildeter Kreise gefunden und berufene Kritiker suchten ihr den gebührenden Platz in der Literatur anzuweisen; Adolf Pichler erkannte ihr unter den deutschen Dichterinnen der Gegenwart den ersten Platz zu und Martin Greif, den sie im Sommer 1891 persönlich kennen lernte, pflichtete diesem Urteil vollständig bei, als er die „ Neuen Gedichte " gelesen hatte. lieber die wahrhaft gottbegnadete Dichterin und ihre Werke wurde übrigens ziemlich oft geschrieben und in Tr. Arnulf Sonntag fand sich ein liebe und verständnisvoller Biograph, allein die verdiente allgemeine Anerkennung steht noch aus. Jetzt wäre der Zeitpunkt, wo sie endlich platzgreifen könnte. Ich möchte im folgenden mit Zugrundelegung meines für die „ Deutschösterreichische Literaturgeschichte " verfaßten, aber noch ungedruckten Kapitels das Leben und Wirken der Dichterin zu beschreiben versuchen — soweit dies in dem gebotenen Raume möglich ist. Angelika v. Hörmann wurde als einzige Tochter des aus Fiß bei Obladis gebürtigen Universitäts - Professors Matthias Geiger und einer Freiin v. Benz am 28. April 1843 zu Innsbruck, Maria Theresienstraße 55, wo die Familie im zweiten Stockwerke dieses der Familie v. Riccabona gehörigen Hauses wohnte, geboren. Ihr Vater, der es vom Oberinntaler Kühbuben zum namhaften Rechtslehrer gebracht hatte und Gedichte sowie eine Autobiographie verfaßte, ließ ihr eine sorgfältige Erziehung angedeihen, ihre Mutter stammte aus einer im Lande wohlverdienten, schöngeistigen Familie, die besonders mit Hormayrs eng befreundet war; Ernst Baron Benz, Angelikas Onkel, ist in Pichlers „ Frühliedern " vertreten. Es waren also beiderseits höhere Geistesanlagen vorhanden. Leider verlor Emilie — wie „ Angelika" eigentlich heißt, bereits 1849 die liebende Mutter und 1858 den sorgsamen Vater und kam nun in das Haus einer ganz abgeschlossen lebenden, hyperreligiösen Tante. Die hier herrschende Einsamkeit konnte natürlich dem aufgeweckten Mädchen nicht behagen, oft beneidete sie die armen, auf der Straße spielenden Kinder und ihr ganzes Wesen erhielt einen Anstriche von Düsterheit und Menschenscheu. Anderseits war dies aber wieder für die Entwicklung ihres Innenlebens förderlich. Eine Magd im väterlichen Haushalte hatte zuerst durch allerlei Erzählungen und durchs Vorführung von primitiven dramatischen Szenen ihie jugendliche Phantasie erregt, dann begann sie eifrig zu lesen und machte ihre ersten Verse. Die großen deutschen Klassiker und die Gedichte von Lenau, Uhland, Geibel, Lingg u. a. kamen ihr frühzeitig in die Hände, Gilm aber lernte sie erst spät kennen. So lebte sie in einer Traumwelt, bis sie in Ludwig v. Hörmann 1860 einen gleichstrebenden Freund und Berater fand, dem sie nach manchen Verdrießlichkeiten mit Vormund und Verwandten 1865 die Hand reichte. Aus jener schweren Zeit des Ringens nach Freiheit stammen ihre Gedichte in den „Frühblumen aus Tirol " ( 1863), die Hans v. Vintler mit Beihilfe Ludwigs v. Hörmann herausgab, um ein Scherflein für das Uhland- Denkmal beizusteuern. Die junge Dichterin gebrauchte hier den von Vintler vorgeschlagenen Decknamen „ Angelika " und stach mit ihren 11 lyrischen Beiträgen, unter denen sich als
Quellenangabe & Zitierlink:
Innsbrucker Nachrichten, 28. April 1913, S. 18, digital erschlossen in: Tiroler Zeitungschronik (https://chronik.fontes.at/tirol/artikel/9260-festliche-wuerdigung-der-tiroler-dichterin-angelika-v-hoermann-1913).

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